112
Roth von Schreckenstein
vonOchsenstein und Herzog Ludwig von Teck 1 ). Somit war also die
Stadt in aller Form Rechtens an das Haus Österreich verkauft.
Völligen Abschluss erhielt der Handel durch eine am 1. December
1326 ausgestellte Urkunde 3 ). Herzog Albrecht von Österreich
bezeugt, für sich und seine Brüder, dass er die Grafen Johann und
Götz von Fürstenberg und alle die dabei waren, als die Villinger
Bürger in Haslach gefangen wurden,, mit seinen lieben Bürgern^zu
Villingen völlig gesühnt und ausgerichtet habe. Es wird bestimmt,
dass die Diener der Grafen von Fürstenberg zur Stadt Villingen im
alten Rechte bleiben sollten. Die Bürger zu Villingen sollen keinen
Vogtmann oder eigenen Mann der Grafen zu ihrem Mitbürger aufnehmen,
es wäre denn, dass sich derselbe in den Ringmauern niederlassen
wollte. Die Bürger von Villingen haben keinerlei Ansprüche
zu erheben wegen Schulden, die Graf Egen, der Vater der beiden
Grafen, contrahirt hatte, es seien nun wissende Schulden oder nicht.
Doch sollen die Grafen alle kündbaren Gülten zahlen. Auch soll kein
Schaden gehen auf die Grafen von Fürstenberg, von Juden, Geiselschaft
oder sonst wie immer, seit der Zeit des zu Offenburg
errichteten Vertrages. Es siegelten der Herzog Albrecht und die
Stadt Villingen.
Neben solchen urkundlichen Angaben bleibt der chronikalischen
Tradition, dass sich die Stadt seihst freigekauft habe, freilich nur
sehr wenig Raum. Gleichwohl müssen wir die traditionelle Ansicht
noch näher prüfen. Professor Kefer hat unter anderen Collectaneen
auch einen kleinen handschriftlichen Aufsatz hinterlassen, welcher
den Titel führt: „Pragmatische Geschichte der Loskaufung Villingeris
von der Herrschaft der Grafen von Fürstenberg und Ankaufs an
das Haus Österreich. 1817.“ Ich konnte aus dieser auf 40 Seiten
in Quarto gegebenen, sehr lückenhaften Darstellung, welche erst mit
dem Vertrage vom 30. Mai 1324 beginnt, nur sehr wenig Neues entnehmen,
da ich die in derselben, zum Theile in Extenso, mitgetheilten
Urkunden grösstentheils schon kannte. Kefer bezieht sich aber
1) Ein Bruder des oben genannten Herzogs Lutzmann. Stalin 3, 697. Münch 1, 336
gibt an , der Verkauf sei um 8300 M. S. erfolgt. End doch hat auch die Abschrift,
welche ihm verlag, ganz deutlich achthalb tusent mark Silbers.
2 ) Geben Montag nach St. Andreastag zu Ensisheim 1326. Orig, im f. Fürstenb. Archiv.
Beilage VI.