Wie kam die Stadt Villingen vom Hause Fiirstenberg an Österreich? 109
von ihnen Herr in Villingen sein solle, zur Huldigung ihre Einwilligung
gegeben hatten. Wie dann, wenn die Niederwerfung der
Villinger Bürger mit der ohne die Zustimmung der Grafen vollzogenen
Huldigung in Verbindung stünde? Doch auch für diese
Vermuthung ist keine Quelle vorhanden.
Die Huldigung der Stadt >) war eine vollständige. Der
Schultheiss, Bürgermeister, Rath und die Bürger gemeinlich beurkunden,
dass sie dem hochgehornen und mächtigen Fürsten, ihrem
gnädigen Herrn Herzog Albrecht von Österreich und allen seinen
Brüdern, freiwillig und unbezwungen gehuldigt haben.
Sie haben zu den Heiligen geschworen, dass sie ihn und alle
seine Brüder und Niemand anders zu rechten Herrn haben und
denselben, mit Leih und Gut, als ihrer rechten Herrschaft gehorsam
sein sollen 2 ), jedoch unbeschadet der Rechte und Freiheiten, über
welche sie von ihrem Herrn selig, dem Grafen Egen von Fürstenberg
und dessen Söhnen Briefe besässen, die ihnen auch von Herzog
Albrecht bestätiget worden seien 3 ). Herzog Albrecht war persönlich
zur Huldigung in Villingen anwesend. Er stellte den Bürgern am
gleichen Tage eine Urkunde aus, in welcher er ihnen die Fortdauer
aller ihrer unter dem Hause Fürstenberg besessenen Freiheiten und
Rechte zusicherte. Wahrscheinlich hatten sich die Grafen Johann
und Götz mit dem Herzoge verständigt.
Albrecht weilte seit dem Beginne des Jahres 1325 im Eisass 4 ).
Seit dem Tode des am 23. Februar 1326 verschiedenen, tapferen
Herzogs Leopold war Albrecht der hauptsächlichste Vertreter der
dynastischen Interessen seines Hauses, obgleich K. Friedrich der
Schöne (f 13. Jänner 1330) noch am Lebn war. Durch die Vermählung
mit Johanna, der Tochter des Grafen Ulrich von Pfirt, der im
Jahre 1324 als der letzte seines Stammes starb 5 ), wurde die Grafx
) Lichnowsky, 3, Reg-. 709. Geben ze Vilingen an dem achten tag vor saut Johansabentl
ze sunglichen 1326. (Datum per copiam. ) Alte Abschrift im k. k. Haus-, Hof- und
Staatsarchive zu Wien.
z ) — iren schaden zu wenden vnd iren frumen ze werben, als luite iren rechten herren
hillich sul(n.
3 ) Ich gebe die ganze Urkunde als Beilage IV, da sie sehr wichtig ist.
4 ) Lichnowsky, 3. Reg. 697 lf. Am 10. Mai war er mit seinem Bruder K. Friedrich in
Offenburg. I. c. Uegg. 704 und 705.
5 ) Ko pp ßeichsgeschichte 5, 82.