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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

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Roth  von  Schreckenstein

unbilliger  Weise  von  ihnen  verlangte,  unerschwinglich  grosse  Summe
Geldes  bezahlt  hätten.  Als  nun  die  Summe  nicht  habe  aufgetrieben
werden  können,  hätten  sich  die  Herzoge  von  Österreich  ins  Mitte!
geschlagen  und,  theils  aus  Mitleid,  theils  in  Erwägung  ihres  eigenen
Vortheiles,  einen  Theil  derselben,  wohl  die  Hälfte  (unam  partem,
puto  mediam),  an  die  Grafen  ausbezahlt  und  in  dieser  Weise  die
Bürger  befreit,  aber  die  Stadt  für  sich  und  ihre  Erben  ewiglich
erworben.  Genau  war  Johann  von  Winterthur  über  diesen  Vorgang
jedenfalls  nicht  unterrichtet,  was  schon  daraus  hervorgehen  dürfte,
dass  er  denselben,  ganz  allgemein  ,  in  die  Zeit  des  Papstes
Johannes  XXII.  (1316  —  1334)  setzt.  Was  der  Chronist  von  der
Fehde  der  Villinger  mit  dem  Grafen  von  Fiirstenberg,  in  welcher
das  ganze  Land  verwüstet  worden  sei,  im  Verlaufe  seiner  oben
besprochenen  Angabe  bemerkt,  das  scheint  sich  auf  den  Grafen
Heinrich  II.  zu  beziehen,  doch  ist  die  Angabe  zu  ungenau,  um
sicheren  Anhalt  zu  gewähren.
Die  Zeit,  in  welcher  die  Villinger  Bürger  zu  Haslach  niedergeworfen ­
  wurden,  lässt  sich  nicht  näher  bestimmen.  Kefer  hat,  bei
Kolb  im  Artikel  Villingen,  die  eben  berührte  Stelle  des  Johann  von
Winterthur  mit  späten  Angaben  combinirt  *)  und  durch  dieses
unkritische  Verfahren  die  Sache  mehr  verwirrt  als  aufgeklärt.  Er
gibt  nämlich  an  ,  die  Grafen  hätten  den  gefangenen  Bürgern
41000  Gulden  als  die  Summe  bezeichnet,  für  welche  die  Stadt  des
Fürstenberg’schen  Schutzes,  sie  aber  ihrer  Haft  erledigt  werden
sollten 2 ).  Das  Wahre  an  der  Sache  scheint  zu  sein,  dass  die  Zerwürfnisse ­
  zwischen  Villingen  und  den  Grafen  einen  so  hohen  Grad
erreicht  hatten,  dass  man  sich  beiderseitig  zur  gänzlichen  Auflösung
eines  ungedeihlich  gewordenen  Verhältnisses  bereit  erklärte,  über
den  Kaufpreis  aber  nicht  völlig  einig  werden  konnte.
Sicher  ist,  dass  die  Stadt  Villingen  dem  Herzoge  Albrecht  am
16.  Juni  1326  huldigte,  also  zu  einer  Zeit,  in  welcher  sie  dieses
unmöglich  thun  konnte,  wenn  nicht  die  beiden  Grafen  Johann  und
Götz,  die  sich  erst  am  24.  Juni  darüber  zu  erklären  hatten,  welcher

1)  -der  ihm  handschriftlich  vorliegenden,  nunmehr  in  Mone’s  Quellensammlung  citirten
Villinger  Chronik.
2 )  Die  Summe  von  41000  Gulden  gibt  die  Villinger  Chronik  zum  Jahre  1323  an.
Mone,  Quellens;»mmI.  2,  82  und  1,  220.
            
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