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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Wie  kam  die  Stadt  Villingen  vom  Mause  Fiirsleuherg  an  Österreick  ?  1  0  (
Fall,  so  wird  man  denn  doch  rein  persönliche  Motive  erst  dann  in
Rechnung  stellen  sollen,  wenn  man  zuerst  die  sicher  erkennbare  Sachlage ­
  gehörig  untersucht  hat.  Sicher  ist  allerdings,  dass  sich  Graf
Johann  und  Graf  Götz  über  den  Besitz  der  Stadt  noch  nicht  geeinigt
hatten,  als  am  16.  Juni  1326  die  Villinger  dem  Herzoge  Albrecht
huldigten 1 )»  aber  ebenso  sicher  ist  auch,  dass  jenen  bis  zum
24,  Juni  1326  zu  dieser  Einigung  Frist  gegeben  war.
Münch  geht  von  der  Voraussetzung  aus,  dass  der  Besitz  vou
Villingen  von  beiden  Brüdern  begehrt  worden  sei.  Es  lässt  sieh  aber,
ganz  mit  dem  gleichen  Beeilte,  die  Vermuthung  aufstellen,  dass
keinem  der  beiden  Brüder  an  dem  Schattenregimente  über  eine  Sladf,
die  ganz  entschieden  zu  stark  war,  um  mit  Gewalt  von  ihnen  gebändiget
  werden  zu  können,  viel  gelegen  sein  konnte.  Wer  die  Stadt
übernahm,  der  hatte  ohne  Zweifel  seinen  Bruder  in  anderer  Weise
zu  entschädigen.
War  man  nun  darüber  in's  Klare  gekommen,  dass  der  Besitz  von
Villingen  in  mancher  Hinsicht  ein  belasteter  sei,  so  lag  es  ziemlich
nahe,  sich  gemeinsam  desselben  zu  entschlagen,  sobald  sieb  hiezu
eine  günstige  Gelegenheit  darbot.  Was  uns  an  Urkunden  über  die
Veräusserung  der  Stadt  vorliegt,  das  zeigt  auch  nicht  die  ieiseste
Spur  einer  zwischen  den  Grafen  Johann  und  Götz  wegen  des  Besitzes
von  Villingen  bestandenen  Zwietracht.  Es  müssen  daher  Münch’s
mit  grosser  Zuversicht  vorgetragene  Behauptungen  in’s  Gebiet  der
Fictionen  verwiesen  werden.
Dass  aber,  vor  dem  Herbste  1326,  zwischen  der  Stadt  und  den
Grafen  heftige  Zerwürfnisse  entstanden  waren,  entnehmen  wir  sowohl
aus  Urkunden,  als  auch  aus  einer  glaubwürdigen  chronikalischen
Quelle.  Johann  von  Winterthur,  der  Barfüsser,  der  sich  hiebei  ganz
auf  die  Seite  der  Stadt  stellt,  berichtet 3 ),  die  vornehmsten  Bürger
(potiores)  zu  Villingen  seien  von  ihren  Herren  den  Grafen  nach
Haslach  berufen  worden.  Man  habe  dieselben  mit  Speise  und  Trank
reichlich  bewirthet  und  dann,  als  sie  ihre  Waffen  abgelegt  hätten,
mit  Gewalt  zurückgehalten  und  in  den  Thurm  geworfen,  in  welchem
sie  hätten  bleiben  müssen,  bis  sie  eine,  in  unrechtmässiger  und

*)  Lichnowsky,  3,  Reg.  709.  Ich  komme  auf  die  Urkunde  zurück.
3 )  Joh.  Vitodur.  edit.  (j.  v.  Wyss.  97.
            
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