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Roth von Schrecke n stein
Noch ist zu bemerken, dass in das Jahr 1324 ein von K. Ludwig
dem Baiern erlangtes Privilegium fällt. Die beiden Grafen Johann
und Götz i) Hessen sieb am 27. Juni die dem Reiche in der Stadt
Villingen von der dortigen Judenschaft zustehenden Nutzungen verleihen.
Die Verleihung erfolgte nur auf Widerruf, doch sollten K.
Ludwig’s Nachfolger am Reiche gehalten sein, den Grafen oder deren
Nachkommen die Summe von SO Mark Silbers zu gelten, wenn sie die
Judensteuer wieder an sich ziehen wollen 3 ).
Obgleich in der Urkunde gesagt ist, dass sich diese Concession
auf die Dienste gründe, welche die Grafen dem Könige geleistet
hätten, so fehlen uns doch weitere Anhaltspuncte, um die Fürstenbeiger
s) für eifrige Anhänger des Baiern zu halten.
Nach der Schlacht von Mühldorf (1322, 28. Sept.), wurde K.
Ludwig von Vielen anerkannt, die vormals seine Gegner gewesen
waren, und unter den schwäbischen Grafen und Herren kam es sogar
vor, dass man sich bei der Sühne mit dem Sieger ausdrücklich vorbehielt,
zum Hause Österreich nicht in ein feindliches Verhältniss
treten zu müssen 4 ).
Die beiden jungen Grafen von Fürstenberg würden, um das
Jahr 1324, in Schwaben sehr vereinzelt gestanden sein, wenn sie
sich, den Traditionen ihres Hauses gemäss, ganz unbedingt zu Österreich
hätten halten wollen. Über die Stimmung der Bürgerschaft zu
Villingen sind wir nur auf Vermuthungen angewiesen. Freiburg
war im Jahre 1324 bairisch gesinnt 5 ). Mit Zuverlässigkeit kann man
dagegen annehmen, dass sich die auch in anderen Städten Schwabens
um jene Zeit wahrnehmbare demokratische Strömung °) auch auf
*) Die Urk. hat Gotfrid.
3 ) Geben Frankfurt Mitwoch nach St. Johannislag- zur Sonnwenden 1324. Orig, im f.
Fürstenb. Arch. Da die Urk. noch nicht gedruckt ist, gehe ich sie als Reil. III.
8 ) Mit Münch 1, 334. Am 27. Juli 1325 wurde Graf Götz von Fiirstenberg Bürge des
Herzogs Leopold von Österreich bei dem Grafen Ulrich von Wirtemberg. Stalin 3,
i71. Nach dem Orig, im Archiv zu Stuttgart.
4 ) Vergl. Stalin 3, 163.
5) Das scheint aus dem Umstande hervorzugehen, dass Graf Konrad von Freiburg, als
er sich am 25. Mai 1324, mit dem Bischöfe von Strassburg und der Stadt Kolmar,
in ein Bündniss mit Herzog Leupold von Österreich einliess, die Bürger und die
Stadt Freiburg von den etwa zu befehdenden Personen ausnahm. Urk. hei Lichnowsky
3, Beil. VIII. Die Stadt verfolgte wol ihre eigene Politik. Vergl. auch
Schreiber, Gesch, der Stadt Freib. 2, 113.
6 ) Vergl. Joh. Vitodur. ed. G. v. Wyss 156 und Stalin 3, 221.