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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 48. Band, (Jahrgang 1864)

Wie  kam  die  Slailt  Villingen  vom  Hause  Fiirstenlierg  au  Österreich?  97

diese  Stadt  nicht  so  unbedingt  für  die  Perle  der  Fürstenhergischen
Besitzungen  halten  können.  Das  Verhalten  der  hier  in  Betracht  kommenden ­
  Kaiser  und  Könige,  von  K.  Friedrich  II.  bis  zu  K.  Albrecht  I.,
war,  l'm  Grunde  genommen,  doch  mehr  dazu  geeignet,  der  Bürgerschaft ­
  den  nöthigen  Rückhalt  zu  gehen,  als  d,en  Grafen  ihre  Gerechtsame ­
  zu  erhalten.  Sogar  aus  jener  kurzen  Zeit,  in  welcher  K.  Friedrich ­
  II.  die  Stadt  ohne  Mittel  an  das  Reich  zurückgenommen  hatte,
mögen  sich  gewisse  Traditionen  erhalten  haben.  Als  K.  Friedrich
bereits  gebannt  war,  kurz  vor  dessen  Tode,  finden  wir  die  Bürger
von  Villingen  unter  seinen  entschiedenen  Anhängern  t).
Fernerhin  lässt  sich,  sogar  bei  Abmangel  bestimmter  Nachrichten, ­
  mit  ziemlicher  Sicherheit  annehmen,  dass  die  in  der  Schwesterstadt ­
  Freiburg  i.  B.  schon  zum  Jahre  1248  nachgewiesenen  Verfassungskämpfe ­
  2 ),  bei  denen  die  Grafen  von  Freiburg  zu  einer  nachgerade ­
  ziemlich  vollständigen  Passivität  herabgedrückt  wurden,  auch
auf  die  Stimmung  von  Villingen  einigen  Einfluss  ausübten.  Die  Städte
suchten  sich  vor  ungesetzlicher  Vergewaltigung  zu  schirmen.  Das
war  ganz  in  der  Ordnung.  Ebenso  gewiss  ist  aber  auch,  dass  sie
ihre  Forderungen,  im  weiteren  Verlaufe  des  Haders,  oftmals  höher
spannten,  als  ihnen  das  historische,  positive  Recht  streng  genommen
erlaubte.  Auch  dieses  liegt  in  der  Natur  der  Verhältnisse.
In  Freiburg  gestaltete  sich  die  Lage  des  Grafen  besonders  desshalb
  so  ungünstig,  weil  sich  Graf  Egino  III.  gegen  den  König
sträubte,  während  sein  Bruder  Graf  Heinrich  von  Freiburg  und  sein
Vetter  Graf  Heinrich  von  Fürstenb.erg  zu  Rudolfs  Anhängern  und
Getreuen  gehörten  3 ).  Schon  im  Jahre  1275  sah  sich  K.  Rudolf
dazu  genöthigt,  die  Stadt  zu  belagern  4 ).
Eine  zweite  Belagerung  nahm  einer  der  Söhne  des  Königs,
wahrscheinlich  Graf  Hartmann,  mit  vielen  Grafen  und  Herren  im
August  1279  vor  5 ).  Der  Erfolg  war  aber  ein  ganz  ungenügender.

*)  Pgpst  Innocenz  IV.  schreibt  am  26.  Jänner  1249  an  den  Erzbischof  von  Mainz  „nt
hominibus  de  Nuwenburch,  de  Fillingen  Friderici  i'autoribus  omne  ministerium  et
solatinm  ecclesie  abstrahat,  et  faciat  eos  excommunicatos  publice  nunliari.  Regesla
Innoc.  IV.  in  der  Bibi,  des  fiter.  Vereines.  Stuttgart  1846,  S.  175.  Stalin  2,  197.
Note  5.  Schreiber,  Gesell,  der  Stadt  Freiburg  (1857)  2,  38.
2 )  Schreiber  1.  c.  2,  47  IT.
3 )  Vergl.  Schreiber  I.  c.  2,  64.
4 )  Ann.  Colmar.  Font.  2,  8.  Böhmer,  Reg.  Rud.  nach  200.
5 )  Ann.  Colm.  1.  c.  14.
Sitzb.  d.  phil.-hist.  CI.  XLV1II.  Bd.  I.  Hft

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