Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 41. Band, (Jahrgang 1863)

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Os en b r iig-g- e n 
Vorsitz und Leitung des Pantaidings hatte in den kirchlichen 
und klösterlichen Gebieten ein Stellvertreter der Herrschaft, deren 
Anwalt, Hofmeister, Richter oder Amtmann (XXXVIII, 1. LIII, 2. 
LIV, 1. LVI, 2. LXVIII, 8. LXXVIII, 1. LXXX, 2), oder der Vogt als 
Schirmherr des Gotteshauses (Ebersdorf §. 9 ff.) •). Wie sehr man 
darauf hielt, das Recht der Herrschaft zu wahren und dem Vogte 
nicht zu viel einzuräumen, zeigtein Weisthum aus dem Bereiche 
des Klosters Melk (XVIII, 4). Nachdem hier zuerst der oft zur 
Wirklichkeit werdenden Möglichkeit einer Bedrückung der Kirche 
durch die Vögte 2 ) gedacht ist, heisst es weiter: „und derselb vogt 
sol dy drey percktaidung pei unserm Hofmeister daselbs in unserm 
hoff siezen. Aber der hofmeister sol an unsrer stat das stebel sälber 
in seiner liant haben, als unser richter und Vertreter“. 
So wie in den deutschen Schöffengerichten ganz allgemein 
die Schöffen die Urtheiler sind, welche das Recht finden und 
ertheilen, so ist es in den Pantaidingen die Gemeinde, welche das 
Recht hei ihrem Eide reproducirt (XL, 4. LXXI, 2). Als ihr Organ 
fungirt ein Vorsprecher oder Redner (LIII, 2. LXX, 7. LXXIII, 7. 
LXXVIII, 2. LXXX, 2), der „ihnen ihr Recht ausdingt“ (LXXXV111,9). 
Oft sind aber ausser ihm noch Weiser genannt, welche als die 
Kundigen ihm den Stoff mittheilen (LII, 1. LIV, 2. LVI, 5, LXHI, 2 ff. 
LXXX, 2. LXXXVIII, 9 ff. CLXXVIII, 11). Nach Mittheilung der 
einzelnen Artikel fragt dann der Richter die Gemeinde, oh es ihr 
aller Red sei (LVI, 9. 10. 18. 20. 23. 25). Hinsichtlich des Formellen 
ist noch hervorzuheben, dass, nachdem in der Einleitung zu den 
Pantaidingen gesagt ist (XXXII, 2. XXXIV, 2. XL1V, 2. LXV, 2. 3), 
die ehrbare Gemein bitte die gnädige Herrschaft, es möge gestattet 
sein, zwei Leute, einen aus den geschwornen Burgern, den andern 
aus der Gemeine zu ernennen, welche die Rechtsverhältnisse der 
Herrschaft und der Gemeine darzulegen hätten, diese Ernannten 
dann das Recht, wie es von Alters Herkommen ist, sehr gewöhnlich 
mit der Formel: „Wir rügen zu Recht, dass etc. etc.“ im Einzelnen 
angehen und der Name Rügen und Rügeordnungen ist auch für diese 
O Das Banntaidungs-Buch von Ebersdorf, mitgetheilt von Andr. von Meiller iin 
Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, XII (18S4). 
Vgl. C h a b e r t a. a. 0. IV, 64.
	        
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