Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 15. Band, (Jahrgang 1855)

Die Objectiv-Conjugatiou in den finnischen Sprachen. 
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Die Objectiv-Conjugation in den finnischen Sprachen. 
Von dem c. M., Hrn. Professor Boiler. 
Mordvinisch'). 
Das Mordvinische bildet in so ferne einen Abschnitt in dem 
Entwickelungsgange des finnischen Verbums, als sich in ihm die 
innerhalb des Kreises der zu dem finnischen Aste gehörigen Sprachen 
nur noch im Magyarischen vorhandene Verschmelzung des Subjectes 
und Objectes, wo letzteres durch ein Personalpronomen ausgedrückt 
wird, mit dem Verbum zu einem organischen Gesetze ausgebildet hat. 
Das Streben, den Verbalbegriff zu ergänzen, machte sich zunächst 
zwar nur innerhalb des Prädicatsbegriffes durch Wurzelvariation 
geltend, indem die Verhältnisse der Thätigkeit zum Agens sowohl 
als zum Objecte unmittelbar durch Veränderungen an der (primitiven 
oder secundären) Wurzel, also vor dem Antritte der Zeit-, Art-, 
Zahl-, Personbestimmungen, dargestellt werden; bei transitiven 
Verben aber, wo das Object in directen Gegensatz zum Subjecte 
tritt, musste die Ergänzung sich an den Subjectivtheil des Verbums 
schliessen. In der That zeigen die meisten höher organisirten 
Sprachen diese gegenseitige Bestimmung des Thätigkeitsbegriffes 
— das wirkende Subject dem leidenden Objecte gegenüber — mehr 
oder weniger vollständig in den Verbalausdruck selbst aufgenommen. 
Vollständig erscheint die Verbindung im Koptischen, den semitischen 
und amerikanischen Sprachen, und zwar mit solcher Folgerichtigkeit, 
dass bei den beiden letzteren das Substantiv, um dem Pronomen 
Raum zu machen, aus dem Satzgefüge herausgerissen und unabhängig 
hingestellt wird; unvollständig, wenn das objective Pronomen sich 
unter Bewahrung der grammatischen Form entweder wie in den 
älteren indogermanischen Sprachen (Sanskrit, Zend, Altpersisch, 
Griechisch) durch Enklise, oder wie in den romanischen Sprachen 
durch Proklise an das Verbum lehnt. Bei der vollständigen Durch 
dringung haben beide Pronomina ihre ursprüngliche Form mehr 
oder weniger eingehüsst, und es fällt bisweilen schwer, aus der 
*) Von der Gabelentz, Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes. |5d. II, p. 262 fT, 
Sitzb. d. phil.-hist. CI. XV. Bd. II. Hft. jß
	        
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