Full text: Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 137. Band, (Jahrgang 1898)

Elisabeth von Aragonien, Gemahlin Friedrich’s des Schönen von Oesterreich. 
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Minder günstig ist König Jakob II. von Aragon von 
neueren, selbst heimischen Geschichtsschreibern beurtheilt 
worden. 1 Wohl musste man dem Helden von Alicante den 
Preis der Tapferkeit zuerkennen, auch dem Gründer der Uni 
versität Lerida und dem Erbauer der herrlichen Kathedrale 
von Barcelona 2 vermochte man billige Anerkennung nicht zu 
versagen, sowie er auch durch die Erklärung der Untheil- 
barkeit seiner Reiche unzweifelhaft mit an der künftigen Grösse 
Spaniens baute; wohl aber hat man seiner Politik, und zum 
Theile auch mit Recht, den Vorwurf der Unentschiedenheit 
und Unaufrichtigkeit — letzterer insbesondere gegen seinen 
Bruder Friedrich von Sicilien •— nicht erspart. Allein auch in 
dieser Beziehung wird man den König nicht wohl nach den 
Anschauungen unserer Zeit, sondern nach dem Sittencodex des 
14. Jahrhunderts beurtheilen müssen. Welches Tugendideal 
nicht nur dem Castilier jener Zeit, sondern dem Spanier über 
haupt vor Augen schwebte, das lehren uns die Romanzen vom 
Cid, in denen sich nach den geistvollen Ausführungen Dozy’s 
die mit den Jahrhunderten wechselnden sittlichen Anschauungen 
der Nation treu wiederspiegeln. Als ein nationaler Typus dieser 
Art — in seinen Vorzügen, sowie in seinen Schwächen — 
will uns König Jakob II. erscheinen, der sich, wo nicht Alles 
trügt, in erster Linie als Aragonese fühlte. 
König Jakob II. lebte inmitten eines merkwürdigen Auf 
schwunges seines Volkes. Es war dies die Zeit, als Barcelona 
zu einer ebenbürtigen Rivalin Genua’s und Pisa’s erwuchs, 3 
Handel und Gewerbefleiss in den catalonischen Städten blühten, 4 
1 Eine Ausnahme macht nur De la Fuente, Vicente, Estudios criticos sobre 
la historia y el derecho de Aragon III, 145 ff.: Reaeeiön en favor del 
orden, por D. Jaime II el Justo. 
2 lieber diese (Pi y Margall) Recuerdos y bellezas de Espaiia. Cataluna 
1,54. 57: Avelino Pi y Arimon, Andres, Barcelona antigua y moderna 
I, 441 und Espana, sus monumentos. Cataluna por Piferrer u. Fr. pi 
Margall T. I, Barcelona 1884, S. 314, Anm. 1. Vgl. 327 die auf den Be 
ginn des Neubaues (1298) bezügliche Inschrift des Domes. Auch der 
Bau von Santa Maria del Pi (Pino) in Barcelona fällt in seine Zeit; 
vgl. Boletin de la Real academia de la historia, T. XXVIII, 138 ff. 
3 Vgl. Pi y Arimon, Andres Avelino a. a. 0. II, 6ff. 
4 Ebenda S. 64ff. und vor Allem Capmany, Memorias historicas sobre la 
marina comercio y artes de la antigua ciudad de Barcelona. Madrid 1779ff.
	        
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