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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Zingerle.  Heber  eine  Handschrift  des  Passionais  und  Buches  der  Märtyrer.

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Heber  eine  Handschrift  des  Passionais  und  Buches
der  Märtyrer.
Von
Dr.  Oswald  Zingerle.

In  der  Zeitschr.  für  deutsche  Pliilol.  VI,  13  ff.  hat  mein  Vater
über  eine  in  der  bischöflichen  Seminarbibliothek  zu  Brixen
befindliche  Handschrift  des  ,alten  Passionais'  berichtet:  hier
soll  auf  einen  andern  Codex,  der  mir  bei  Durchsicht  der
dortigen  Manuscripte  in  die  Hände  kam,  aufmerksam  gemacht
werden.
Die  betreffende  Papierhandschrift  zählt,  das  Vorschlagblatt ­
  ungerechnet,  238  Blätter  in  Folio  (30  cm  hoch  und  20  cm
breit),  wovon  je  12  Blätter  eine  Lage  bilden;  die  Seite  ist  in
zwei  Spalten  von  je  34—38  (meist  36  und  37)  unlinirten  Zeilen
geschrieben,  Ueberschriften  und  die  mit  Ausnahme  der  ersten
ganz  einfachen  Initialen  sind  roth,  der  herausgerückte  Anfangsbuchstabe ­
  jedes  Verspaares  ist  roth  durchstrichen.  Die  mit
rotliem  Leder  überzogenen  Holzdeckel  des  Einbandes  waren
einst  in  der  Mitte  und  an  den  Ecken  mit  rosettenförmigen
Buckeln  geziert;  zwei  Riemen,  deren  Metallbeschlag  vornein
am  Oberdeckel  angebrachte  Stifte  eingriff,  dienten  zum  Verschlüsse. ­

Auf  der  ersten  Seite  des  Vorschlagblattes  und  auf  der
letzten  der  Hs.  steht  am  oberen  Rande  Melchior  episcopus  Brixinensis,
  auf  ersterer  ausserdem  noch  unten  von  früherer  Hand  geschrieben ­
  meins  hertzen  stäter  trost.  Dieser  Melchior  (von  Meckau)
war  der  zweite  Nachfolger  des  bekannten  Nikolaus  von  Cusa,
ein  treuer  Rath  Kaiser  Maximilians,  der  ihn  unter  Anderem  im
Jahre  1509  nach  Rom  sandte,  um  den  Papst  zum  Bunde  gegen
Venedig  einzuladen.  Er  starb  dort  am  3.  März  desselben
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