Zingerle. Heber eine Handschrift des Passionais und Buches der Märtyrer.
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Heber eine Handschrift des Passionais und Buches
der Märtyrer.
Von
Dr. Oswald Zingerle.
In der Zeitschr. für deutsche Pliilol. VI, 13 ff. hat mein Vater
über eine in der bischöflichen Seminarbibliothek zu Brixen
befindliche Handschrift des ,alten Passionais' berichtet: hier
soll auf einen andern Codex, der mir bei Durchsicht der
dortigen Manuscripte in die Hände kam, aufmerksam gemacht
werden.
Die betreffende Papierhandschrift zählt, das Vorschlagblatt
ungerechnet, 238 Blätter in Folio (30 cm hoch und 20 cm
breit), wovon je 12 Blätter eine Lage bilden; die Seite ist in
zwei Spalten von je 34—38 (meist 36 und 37) unlinirten Zeilen
geschrieben, Ueberschriften und die mit Ausnahme der ersten
ganz einfachen Initialen sind roth, der herausgerückte Anfangsbuchstabe
jedes Verspaares ist roth durchstrichen. Die mit
rotliem Leder überzogenen Holzdeckel des Einbandes waren
einst in der Mitte und an den Ecken mit rosettenförmigen
Buckeln geziert; zwei Riemen, deren Metallbeschlag vornein
am Oberdeckel angebrachte Stifte eingriff, dienten zum Verschlüsse.
Auf der ersten Seite des Vorschlagblattes und auf der
letzten der Hs. steht am oberen Rande Melchior episcopus Brixinensis,
auf ersterer ausserdem noch unten von früherer Hand geschrieben
meins hertzen stäter trost. Dieser Melchior (von Meckau)
war der zweite Nachfolger des bekannten Nikolaus von Cusa,
ein treuer Rath Kaiser Maximilians, der ihn unter Anderem im
Jahre 1509 nach Rom sandte, um den Papst zum Bunde gegen
Venedig einzuladen. Er starb dort am 3. März desselben
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