Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Kreolische  Studien  VI.

883

tiner  entfalteten  nach-  und  miteinander  eine  grosse  Wirksamkeit,
1623  gab  es  schon  drei  Kirchen  zu  Mangalore.  Die  Portugiesen,
welche  diese  Stadt  1567  endgiltig  besetzten,  blieben  nicht  sehr
lange  Zeit  Herren  davon;  bald  nach  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts ­
  hatten  die  einheimischen  Fürsten  von  Bednore  ihnen
ganz  Canara  entrissen,  doch  duldeten  sie  portugiesische  Factoreien.
  Das  geistliche  Regiment  hörte  zwar  nicht  auf,  büsste
aber  begreiflicher  Weise  an  Kraft  ein.  Den  stärksten  Schlag
gegen  das  Christenthum  führte  der  berüchtigte  Tippu  Sahib,
welcher  1784  die  Christen  der  Canaraküste  (mit  Ausnahme
weniger,  die  sich  verborgen  hielten),  im  Ganzen  gegen  80.000,
in  das  Innere  schleppen  und  mit  Gewalt  zu  Mohammedanern
machen  liess.  Nach  dem  Falle  Tippu’s  fanden  sich  dort  nur
wieder  10.000  Katholiken  zusammen,  deren  Zahl  aber,  wie  die
obigen  Angaben  zeigen,  seitdem  bedeutend  gewachsen  ist.  Auch
ihre  Qualität  wird  gerühmt;  während  in  anderen  Gegenden  Indiens ­
  die  Christen  nur  aris  den  niedrigsten  Classen  stammen,  ist
das  hier  nicht  der  Fall.  Die  Christen  von  Mangalore  sind  zufolge
dem  Beschreiber  einer  ,Reise  von  Bombay  nach  Madras  und
Calcutta*  (Oriental  Herald  LXVIII,  301  f.)  reine  Indier  ,ohne
den  geringsten  Beisatz  europäischen  Blutes*  (ich  denke,  es
werden  sich  doch  Mischlinge  darunter  linden);  aus  ihnen  werden
auch  die  Priester  entnommen,  während  in  den  ersten  zwei
Jahrhunderten  des  dortigen  Christenthums  nur  fünf  aus  Canara
Stammende  von  den  Erzbischöfen  von  Goa  zu  Priestern  gemacht
worden  waren.  Sie  predigen,  heisst  es  in  jenem  Berichte,  in
ihrer  einheimischen  Sprache.  Vorzugsweise  gehören  sie  den
Konkani  an,  welche  sich  ja  als  Colonien  nach  Honore  und
Mangalore  vorgeschoben  haben.  Bei  ihnen  spielt  oder  spielte
eine  in  Konkani  geschriebene  christliche  Dichtung  Purana,  die
vom  Engländer  Thomas  Stephens  im  Anfänge  des  17.  Jahrhunderts ­
  verfasst  worden  ist,  die  Rolle  der  Bibel.  Wie  und
auf  welcher  Basis  sich  das  Indoportugiesische  mit  den  indischen
Sprachen  in  den  Raum  theilt,  kann  ich  aus  meinen  Quellen
nicht  recht  ersehen;  lässt  sich  Zweisprachigkeit  in  bedeutendem
Umfang  annehmen?  Die  Nähe  eines  Gebietes,  welches  im  Besitze ­
  der  portugiesischen  Krone  geblieben  ist,  könnte  zur  Erhaltung ­
  des  Indoportugiesischen  in  Canara  beitragen,  wie  denn
auch  noch  neuerdings  mancher  Ausdruck  herübergewandert  zu
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.