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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

kaum  etwas  von  den  Namen  der  Oertlichkeiten  der  anderen
gekört  haben.  Sehr  viele  solche  Namen  seien  Eigennamen,
welche  nichts  sonst  bedeuten,  als  eben  den  Ort,  welchem  sie
beigelegt  werden.
Dieses  könne  zu  einigem  Beweise  dienen,  dass  die  Aleuten
selbst  neue  Wörter  für  ihre  Bedürfnisse  bilden  können.  So  habe
z.  B.  in  der  Bel’kow’schen  Niederlassung  Jemand  unter  den
aleutiscken  Greisen  bis  zu  seiner  Taufe  Samläkh,  d.  i.  Ei  geheissen, ­
  und  die  heutigen  Aleuten  in  dieser  Niederlassung
nennen  das  Ei  nicht  sdmläkh,  sondern  samcissü,  d.  i.  Vogelrogen. ­
  Das  letztere  Wort  ist  aus  midi,  Genitiv  sam  ,Vogel'
und  cisuldi  ,Fischrogen'  gebildet.
Ferner  hiess  auf  Unalaschka  Jemand  Kakidach,  d.  i.  ein
gewisser  Fisch  (russisch  KH/Kyuii). 1  Gegenwärtig  wird  auf  Unalaschka ­
  dieser  Fisch  mit  dem  Namen  kharfi  agaljug’i  d.  i.  der
letzte  (periodisch  kommende)  Fisch,  benannt,  ein  Wort,  welches
aus  Ichach,  Genitiv  Icham  ,Fisch'  und  agaljug’i  ,der  letzte'  gebildet ­
  ist.
Die  umnakiscken  Aleuten  benennen  den  Stockfisch  an
Stelle  des  von  Allen  gebrauchten  Wortes  atchidalch  mit  cucMuhh,
einem  Worte,  welches  kein  abgeleitetes  oder  figürliches,  sondern ­
  ein  ursprüngliches,  oder  vielmehr  ein  provinzielles  ist.
Der  Grund,  wesshalb  man  ein  solches  Wort  erfand,  war,  dass
der  Schwiegervater  des  umnakischen  Oberhauptes  bis  zu  seiner
Taufe  den  Namen  Atchidakh  ,Stockfisch'  trug.  Der  allgemeine
Grund  der  Erfindung  neuer  Wörter  dieser  Art  ist,  dass  die
Aleuten  bis  zu  ihrer  Taufe  gewöhnlich  sich  mit  den  Namen
von  Vögeln,  Fischen  u.  s.  w.  benannten.  Als  sie  jedoch  den
christlichen  Glauben  annahmen,  entsagten  sie  dabei  ihrem  ganzen
Schamanenthum  und  allem,  was  sie  an  ihren  früheren  Glauben
und  die  dem  christlichen  Glauben  irgendwie  zuwiderlaufenden
Gewohnheiten  erinnern  konnte,  und  in  ihrer  Güte  und  Einfalt
glauben  sie,  dass,  wenn  sie  eine  Sache  mit  deren  eigentlichem
Namen  vor  demjenigen,  der  bis  zur  Taufe  mit  diesem  Namen
benannt  wurde,  benennten,  sie  diesen  Menschen  beleidigen  und
ihm  einigermassen  gleichsam  Vorwürfe  machen  könnten.

1  Dieser  Name  fehlt  in  den  russischen  Wörterbüchern.
            
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