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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

lieber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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nicht  in  ihrem  Verhalten  zum  Geschmack,  sondern  in  ihren
Folgen  für  die  Gesellschaft  zu  suchen  sei;  vielmehr  liegt  demselben, ­
  wie  im  Lauf  dieser  Abhandlung  erwiesen  worden  ist,
gleichfalls  ein  sittliches  Werthurtheil  zu  Grunde,  nur  nicht,  wie
^  bei  der  Willenseigenschaft  des  Wohlwollens,  ein  positiv  lautendes, ­
  sondern  ein  negatives,  die  Verwerfung,  von  welcher  die
Ungerechtigkeit,  d.  i.  sowohl  der  Streit  als  die  unvergoltene
That,  unmittelbar  getroffen  wird.
Wie  der  willkürliche  Charakter  von  Hume’s  Grundlegung
der  Ethik  sich  oben  durch  die,  ohne  Beweis  vorausgesetzte,
Existenz  eines  untrüglichen  inneren  Forums,  in  der  Gestalt
des  sittlichen  Geschmackes,  so  verräth  sich  derselbe  hier  in
der  ohne  Beweis  erschöpfender  Vollständigkeit  herausgegriffenen
Zusammenfassung  der  Willenseigenschaften,  des  Wohlwollens
und  der  Gerechtigkeit,  als  des  Inhalts  der  Moral.  Derselbe
wird  durch  die  Bezeichnung  des  Verfahrens  in  beiden  Fällen
als  empirischen  zwar  verdeckt,  indem  die  willkürlichen  Annahmen ­
  Thatsachen  genannt  werden,  aber  nicht  aufgehoben.
So  gross  Hume’s  Verdienst  durch  die  Einführung  des  Wohlwollens ­
  als  unmittelbar  um  ihrer  selbst  willen  gefallender  Willenseigenschaft ­
  um  den  Inhalt,  so  gering  ist  dasselbe,  durch  die
Verwendung  eines  von  ihm  empirisch  genannten,  in  Wahrheit
ebenso  willkürlichen  als  aphoristischen  Verfahrens,  um  die  Form
der  Ethik  als  Wissenschaft.  Durch  die  erstere  hat  Hume  in
wohlthätiger,  durch  das  letztere  in  nachtheiliger  Weise  auf  die
spätere  Entwicklung  der  Moral  als  Wissenschaft  gewirkt.  Herbart ­
  auf  der  einen,  Comte  und  die  Schule  des  Positivismus  auf
der  anderen  Seite  haben  dem  Wohlwollen  seinen  Platz  in  der
Wissenschaft  gesichert,  jener,  indem  er  dasselbe  durch  eine
Reihe  anderer  unbedingt  lobens-  oder  tadelnswerther  Willenseigenschaften ­
  zum  Inhalt  der  Moral  ergänzt,  dieser,  indem  er
dasselbe  allein  zum  ganzen  Inhalt  des  Guten  erhoben  hat  (Altruismus). ­
  Während  aber  der  erste  an  die  Stelle  der  willkürlichen
1  Annahme  eines  untrüglichen  Geschmacksvermögens  die  Tliatsaclie
  vermöge  ihrer  logischen  Natur  untrüglicher  Geschmacksurtheile,
  und  an  die  Stelle  willkürlich  aufgeraffter  ethischer
Willenseigenschaften  eine  in  sich  geschlossene  Reihe  unbedingt
wohlgefälliger  und  missfälliger  Willensverhältnisse  gesetzt,  aber
den  ursprünglichen  normativen  Charakter  der  Ethik  festgehalten
Sitzungsber.  d.  pliil.-hisfc.  CI.  CV.  Bd.  III.  Hfl.  51
            
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