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Zimmer mann.
Warum diesen Gegenstand mein nennen, wenn, falls ihn ein
anderer ergreift, ich nur die Hand auszustrecken brauche, um
zu besitzen, was gleichen Werth hat? Die Gerechtigkeit würde
in diesem Falle, da sie gänzlich nutzlos wäre, eine leere Formalität
sein und könnte niemals eine Stelle in dem Verzeichniss
der Tugenden erhalten' (a. a. O. S. 15). Nicht nur werde
selbst in dem gegenwärtigen, dürftigen Zustande der Menschheit
überall dort, wo die Natur eine Gabe in unbegrenzter Fülle
gewähre, dieselbe immer als Gemeingut betrachtet, sondern
auch unter der Annahme, dass zwar die Bedürfnisse der menschlichen
Gattung dieselben bleiben wie jetzt, dass aber das Gemüth
sich so erweitere und so voll Freundschaft und Edelmuth
sei, dass jeder auf seinen eigenen Nutzen nicht mehr als auf
den seines Nächsten bedacht ist, werde der Nutzen der Gerechtigkeit
aufgehoben und hätte man nie an die Scheidungen
und Schranken des Eigenthums gedacht. So wahr sei es, dass
die Gerechtigkeit ,ihre Existenz ganz und gar dem nothwendigen
Bedürfnisse des Verkehrs und des gesellschaftlichen Zustandes
der Menschheit verdankt' (a. a. O. S. 18).
Hume behauptet nicht, dass das Wohlwollen den Umfang
des moralisch Guten erschöpfe und ebenso wenig, dass dasjenige,
was nur uns selbst nütze, ohne zu dem öffentlichen
Wohle in einer Beziehung zu stehen, werthlos sei; aber er lehrt
mit Recht, ,dass nichts einem menschlichen Wesen einen höheren
Werth verleihe, als der Besitz hochgradigen Wohlwollens', und
ebenso, dass der Nutzen und Vortheil der Gesellschaft, ,ohne
welche die menschliche Natur in keiner Weise bestehen kann',
dem Nutzen und Vortheil des Privaten vorzuziehen sei. Die
Schönheit des ersten wird unmittelbar durch die Berufung auf
das Urtheil des sittlichen Geschmacks, als höchster Instanz in
sittlichen Werthbestimmungen, also auf eine ethische Quelle,
der Werth der Gerechtigkeit dagegen auf Gründe, die aus der
Betrachtung und Ueberlegung der durch die Erfahrung gegebenen
Beschaffenheit der menschlichen und der den Menschen
umgebenden Natur genommen sind, d. i. auf eine theoretische
Quelle zurückgeführt. Dabei hat Hume zwar richtig gesehen,
dass die Gerechtigkeit in ihrem Verhalten zum Geschmack von
jenem des Wohlwollens zu demselben unterschieden, aber mit
Unrecht gefolgert, dass die Quelle ihres Werthes überhaupt