Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

794

Zi  m  m  ermann.

welchen  die  allgemeine  Willenseigenschaft  a  herausgehoben
worden  ist,  das  Prädicat  lobenswerth  zukomme;  vielmehr  bildet
gerade  das  letztere  eine  der  ursprünglichen  Thatsachen,  von
welchen  als  elementaren  die  generalisirende  Betrachtung  ihren
Ausgang  nahm.  Wie  nun  in  den  inductiven  Wissenschaften
die  experimentelle  Methode  von  der  bloss  beobachtenden  dadurch ­
  sich  unterscheidet,  dass  die  Thatsachen  in  der  letzteren
beobachtet  werden,  wie  sie  sich  unabhängig  vom  Beobachter
darbieten,  dagegen  bei  der  ersteren  zum  Zweck  der  Beobachtung ­
  künstlich  herbeigeführt  werden,  so  würde  die  grundlegende
Methode  der  Moral  mit  Hilfe  des  Geschmackes  nur  dann  experimentell ­
  heissen  dürfen,  wenn  von  Seite  des  Ethikers  mit
dem  Gesckmacke  ,experimentirt/  d.  i.  dessen  Ausspruch  über
Werth  oder  Unwerth  gewisser  Willenseigenschaften  absichtlich
zum  Zweck  der  Grundlegung  der  Wissenschaft  hervorgelockt
würde.
Diesem  Verfahren  entspricht  der  von  Hume  dem  Philosophen ­
  ertheilte  Rath,  in  zweifelhaften  Fällen  ,in  sein  eigenes
Inneres  zu  blicken  und  zu  erwägen,  ob  er  diese  oder  jene
Eigenschaft  sich  beigelegt  wissen  möchte  oder  nicht'.  Dasselbe
erhält  jedoch  erst  Werth,  wenn  dessen  Anwendung  nicht  bloss
zufällig  oder  gelegentlich,  sondern  wie  es  bei  der  experimentirenden
  Methode  in  der  Naturwissenschaft  der  Fall  zu  sein
pflegt,  planmässig  und  systematisch  ausgeübt  wird.  Wie  das
durch  dieselbe  in  der  Naturwissenschaft  zu  erreichende  Resultat
erst  dann  für  vollständig  gelten  kann,  wenn  die  Zahl  der  überhaupt ­
  möglichen  Fälle  vorher  erschöpft  und  in  jedem  derselben
durch  das  Experiment  die  zu  beantwortende  Frage  an  die
Natur  gerichtet  worden  ist,  so  wird  das  mittels  der  experimentellen ­
  Methode  in  der  Ethik  angestrebte  Ziel:  die  Aufzählung
aller  unbedingt  lobens-  und  tadeln  swepthen  Willenseigenschaften,
erst  dann  für  erreicht  anzusehen  sein,  wenn  die  Reihe  der  überhaupt ­
  möglichen  Willenseigenschaften  vorher  in  erschöpfender
Vollständigkeit  dargelegt  und  bei  jeder  derselben  an  den  Geschmack ­
  die  zu  beantwortende  Frage  ihrer  Bevorzugung  oder
Verwerfung  gerichtet  worden  sein  wird.
Von  einer  derartigen  erschöpfenden  Aufzählung  der  überhaupt ­
  für  die  ethische  Beurtheilung  möglicherweise  in  Betracht
kommenden  Willenseigenschaften,  wie  sie  der  zur  Grundlegung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.