Ueber Huine’s empirische Begründung der Moral.
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oder nicht, und ob dieses oder jenes Urtheil von einem Freunde
oder einem Feinde ausgehen würde' (a. a. 0. S. 6). Wie der
Feind die Rolle des böswilligen, der Freund jene des nachsichtigen,
so spielt der Geschmack die des unparteiischen Zuschauers,
dessen Urtheil weder durch Abneigung entstellt noch
durch Zuneigung gefärbt, sondern durch die Betrachtung der
Sache ausschliesslich hervorgerufen ist. Werden auf diese Weise
gewisse Willenseigenschaften von dem Geschmack als lobens-,
gewisse andere als tadelnswerth gefunden, so genügt es ,jenen
Punkt zu beobachten, in welchem die schätzenswerthen Eigenschaften
einerseits, die tadelnswerthen andererseits übereinstimmen,
um von da aus auf die Grundlage der Ethik zu
kommen und jene universellen Principien zu linden, von welchen
jede Billigung oder Missbilligung in letzter Instanz hergeleitet
wird“ (a. a. 0. S. 7).
Humc nennt diese Methode, von welcher seiner Versicherung
nach allein Erfolg zu erwarten ist, die ,experimentelle',
weil durch dieselbe ,allgemeine Grundsätze aus der Vergleichung
einzelner Fälle hergeleitet werden.' Richtiger wäre
es, sie aus diesem Grunde als inductive oder generalisirende
zu bezeichnen, da, wie er sagt, aus den schätzenswerth gefundenen
wie aus dem tadelnswerth gefundenen Willenseigenschaften
derjenige Punkt, in welchem die einen wie die anderen
unter einander übereinstimmen, herausgehoben und so universelle
Principien sowohl des Schützens- wie des Tadelnswerthen
gefunden werden sollen. Dieses Verfahren würde sich
von dem der inductiven Wissenschaften durch nichts anderes
unterscheiden, als dadurch, dass das Object, dem ein gewisses
Prädicat allgemein zugesprochen werden soll, eine Willenseigenschaft
und das ihm zugesprochene Prädicat Lob oder
Tadel wäie. IV16 daraus, dass d d, d C 1 , dl D .... d V je die
Eigenschaft a besitzen, während sie alle unter einander den
Bestandtheil A gemein haben, geschlossen wird, dass alle A a
besitzen, so würde aus dem Umstand, dass die Willenseigenschaften
aß, a y, a 8 .... a v je lobenswerth gefunden worden
sind, mit Recht geschlossen werden, dass die Willenseigenschaft
a, welche in jeder derselben als Bestandtheil auftritt,
lobenswürdig sei. Keineswegs aber wäre dadurch erklärt, warum
den ursprünglichen Willenseigenschaften aß, a v u. s. w., aus