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Zimmer mann.
des moralisch Guten und Ueblen durch den (sittlichen) Geschmack
(praktische Vernunft), dagegen verneinend für das
Gebiet des Wahren und Falschen (Wirklichen und Nichtwirklichen)
durch die (theoretische) Vernunft beantwortet.
Vernunft und Geschmack bezeichnen bei Hurne zwei Vermögen,
welche im Menschen vereinigt angetroffen werden, deren
jedes aber nicht nur ein von dem des anderen gänzlich verschiedenes
Gebiet, eine von der des anderen gänzlich verschiedene
Function, sondern auch einen von dem des anderen
völlig unterschiedenen Grad von Glaubwürdigkeit besitzt. Letzterer
ist bei der Vernunft ein sehr geringer, indem alle Urtheile,
mit Ausnahme der identischen und analytischen, zweifelhaft,
diese selbst blosse Wiederholungen sind, dagegen bei dem
Geschmack der höchste, der sich überhaupt denken lässt, da
dessen Aussprüche untrüglich sind. Er geht daher mit grosser
Zuversicht an die Grundlegung der Moral, etwa zu vergleichen
mit derjenigen, welche der Geldwechsler hegt, welcher mit einer
guten Goldwage ausgerüstet, an die Prüfung des Feingehalts
verschiedener Münzsorten geht. Wie dieser das Geldstück nur
auf die Wagschale zu legen nöthig hat, damit das Zünglein
unfehlbar den Metallworth bezeichne, so hat der Moralist nur
nöthig, die einzelnen Willenseigenschaften vor das Forum des
Geschmackes zu bringen, damit dessen Ausspruch Werth oder
Unwerth derselben anzeige. Wie aber bei der Probierwage
das Land und die Nationalität des Probierenden keinen Unterschied
begründet, indem ihre Construction sowohl als ihre Function
bei allen civilisirtcn Völkern die nämliche ist, so ist der
Geschmack in sämmtlichen Individuen von deren Nationalität
und Individualität unabhängig, ein inneres Gefühl ,welches die
Natur der gesummten Gattung verliehen hat* (a. a. O. S. 5), und
das daher in jedem einzelnen auf gleiche Weise vorhanden ist
und sich äussert. So wenig als der Inhaber einer guten Probierwage
bei der Anfertigung eines Verzeichnisses vollwichtiger
oder verschlechterter Münzsorten Gefahr läuft, sich zu irren, so
wenig derjenige Philosoph, welcher sich zur Anlegung eines
Verzeichnisses* lobens- und tadelnswerther Willenseigenschaften
seines Geschmackes bedient. ,Er braucht nur einen Augenblick
in sein eigenes Innere zu blicken und zu erwägen, ob
er diese oder jene Eigenschaft sich beigelegt wissen möchte