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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Zimmer  mann.

des  moralisch  Guten  und  Ueblen  durch  den  (sittlichen)  Geschmack ­
  (praktische  Vernunft),  dagegen  verneinend  für  das
Gebiet  des  Wahren  und  Falschen  (Wirklichen  und  Nichtwirklichen)
  durch  die  (theoretische)  Vernunft  beantwortet.
Vernunft  und  Geschmack  bezeichnen  bei  Hurne  zwei  Vermögen, ­
  welche  im  Menschen  vereinigt  angetroffen  werden,  deren
jedes  aber  nicht  nur  ein  von  dem  des  anderen  gänzlich  verschiedenes ­
  Gebiet,  eine  von  der  des  anderen  gänzlich  verschiedene ­
  Function,  sondern  auch  einen  von  dem  des  anderen
völlig  unterschiedenen  Grad  von  Glaubwürdigkeit  besitzt.  Letzterer ­
  ist  bei  der  Vernunft  ein  sehr  geringer,  indem  alle  Urtheile,
mit  Ausnahme  der  identischen  und  analytischen,  zweifelhaft,
diese  selbst  blosse  Wiederholungen  sind,  dagegen  bei  dem
Geschmack  der  höchste,  der  sich  überhaupt  denken  lässt,  da
dessen  Aussprüche  untrüglich  sind.  Er  geht  daher  mit  grosser
Zuversicht  an  die  Grundlegung  der  Moral,  etwa  zu  vergleichen
mit  derjenigen,  welche  der  Geldwechsler  hegt,  welcher  mit  einer
guten  Goldwage  ausgerüstet,  an  die  Prüfung  des  Feingehalts
verschiedener  Münzsorten  geht.  Wie  dieser  das  Geldstück  nur
auf  die  Wagschale  zu  legen  nöthig  hat,  damit  das  Zünglein
unfehlbar  den  Metallworth  bezeichne,  so  hat  der  Moralist  nur
nöthig,  die  einzelnen  Willenseigenschaften  vor  das  Forum  des
Geschmackes  zu  bringen,  damit  dessen  Ausspruch  Werth  oder
Unwerth  derselben  anzeige.  Wie  aber  bei  der  Probierwage
das  Land  und  die  Nationalität  des  Probierenden  keinen  Unterschied ­
  begründet,  indem  ihre  Construction  sowohl  als  ihre  Function ­
  bei  allen  civilisirtcn  Völkern  die  nämliche  ist,  so  ist  der
Geschmack  in  sämmtlichen  Individuen  von  deren  Nationalität
und  Individualität  unabhängig,  ein  inneres  Gefühl  ,welches  die
Natur  der  gesummten  Gattung  verliehen  hat*  (a.  a.  O.  S.  5),  und
das  daher  in  jedem  einzelnen  auf  gleiche  Weise  vorhanden  ist
und  sich  äussert.  So  wenig  als  der  Inhaber  einer  guten  Probierwage ­
  bei  der  Anfertigung  eines  Verzeichnisses  vollwichtiger
oder  verschlechterter  Münzsorten  Gefahr  läuft,  sich  zu  irren,  so
wenig  derjenige  Philosoph,  welcher  sich  zur  Anlegung  eines
Verzeichnisses*  lobens-  und  tadelnswerther  Willenseigenschaften
seines  Geschmackes  bedient.  ,Er  braucht  nur  einen  Augenblick ­
  in  sein  eigenes  Innere  zu  blicken  und  zu  erwägen,  ob
er  diese  oder  jene  Eigenschaft  sich  beigelegt  wissen  möchte
            
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