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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hume’s  oinpirische  Begründung  der  Moral.

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moralisch  Ueble  verwirft,  aufrecht  zu  erhalten  ist,  so  muss  die
letztere  angenommen  werden,  heisst  es  in  der  ,empirischen'
Ethik  Hume’s.  Beide  Schlussweisen  haben  mit  dem  in  der
Naturwissenschaft  gebräuchlichen  hypothetischen  Verfahren  das
gemein,  dass  aus  der  Existenz  von  A  auf  die  Existenz  von  B
aus  dem  Grunde  geschlossen  wird,  weil  beide  in  einem  solchen
Zusammenhänge  stehend  gedacht  werden,  dass,  wenn  B  nicht
wäre,  auch  A  nicht  sein  könnte.  Zwischen  beiden  Schlussweisen ­
  und  der  in  den  Naturwissenschaften  üblichen  findet  aber
der  Unterschied  statt,  dass  die  Existenz  von  A  in  den  Naturwissenschaften ­
  eine  wirkliche  Thatsache,  ein  unbestrittenes  und
unbestreitbares  Factum  und  daher  die  Existenz  von  B,  ohne
welche  jene  nicht  denkbar  wäre,  mindestens  ebenso  unvermeidlich ­
  und  unbestreitbar  als  jene  ist,  während  in  obigen  Deductionen
  Kant’s  und  Hume’s  die  Existenz  von  A,  d.  i.  bei  dem
ersteren  die  synthetisch-apriorische  Natur  der  mathematischen
Urtheile,  bei  dem  letzteren  die  Existenz  tugendhafter  Handlungen, ­
  weder  unbestreitbar  noch  unbestritten  und,  z.  B.  die
ersterc  von  Hume  selbst,  der  die  mathematischen  Urtheile  für
analytische  hält,  geleugnet,  die  letztere  von  den  moralischen
Pessimisten  Utilitariern  und  Egoisten  wie  Helvetius  Schopenhauer ­
  u.  a.  in  Abrede  gestellt  ist.
Die  Annahme  der  Existenz  des  von  Hume  mit  dem  Namen
,Geschmack'  bezeichneten  Vermögens  kann  aus  diesem  Grunde
(ebenso  wie  Kant’s  Annahme  der  Existenz  sogenannter  reiner
Anschauungen)  nur  als  eine  durchaus  willkürliche  bezeichnet
werden.  Dieselbe  wird  von  Hume  aus  Liebe  zur  Tugend  (wie
jene  Kant’s  aus  Liebe  zur  Mathematik)  gemacht,  deren  Möglichkeit ­
  er  (wie  Kant  jene  der  Mathematik  als  Wissenschaft)
um  jeden  Preis  (auch  um  den  einer  Fiction!)  sicher  gestellt
wissen  will.  Wie  Kant  seinem,  noch  weit  über  Hume  hinausgegangenen, ­
  Skepticismus  angesichts  der  Mathematik  Einhalt
gebot,  so  steckte  Hume  dem  seinigen  angesichts  der  Tugend
Grenzen.  Die  Frage  der  Kritik  der  reinen  Vernunft,  ob  und
wie  synthetische  Urtheile  a  priori  möglich  seien,  wurde  von
Kant  im  Interesse  der  Mathematik  zuerst  aufgeworfen  und  für
diese  bejahend  beantwortet;  die  Frage,  ob  dem  Menschen  ein,
in  seinen  Functionen  untrügliches  Vermögen  innewohne,  wurde
von  Hume  im  Interesse  der  Tugend  bejahend,  für  das  Gebiet
            
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