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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Zimmer  mann.

der  angeblich  keines  Beweises  bedürftigen  Annahme  des  letzteren
auf  die  Untrüglickkeit  der  demselben  entstammenden  Urthcile.
Harne  selbst  scheint  gefühlt  zu  haben,  dass  die  Begründung ­
  der  Moral  auf  die  Aussprüche  eines  Vermögens,  dessen
Existenz  zwar  angeblich  Thatsache,  aber  der  That  nach  blosse
Annahme  ist,  keine  empirische  heissen  könne;  darum  sucht  er
die  Annahme  der  Existenz  des  sittlichen  Geschmackes  noch
auf  einem  anderen  Wege  zu  rechtfertigen,  welcher  allerdings
ebenso  wenig  empirisch  genannt  werden  kann.  ,Da  die  Tugend
ein  Endzweck/  sagt  er  (a.  a.  O.  S.  132),  ,und  um  ihrer  selbst
willen,  ohne  weiteren  Lohn  und  Sold,  nur  wegen  der  unmittelbaren ­
  Befriedigung,  die  sie  gewährt,  wünschenswerth  ist,  so
muss  es  ein  Gefühl  geben,  an  welches  sie  rührt,  einen
inneren  Geschmack,  oder  ein  inneres  Gefühl,  oder  wie  immer
man  es  nennen  will,  welches  das  moralisch  Gute  und  Ueble
unterscheidet,  das  eine  erfasst,  das  andere  verwirft/  In  dieser
Stelle  wird  die  Existenz  des  sittlichen  Geschmackes  aus  der
Erwägung  abgeleitet,  dass  ohne  die  Annahme  derselben  die
Existenz  tugendhaften,  d.  i.  durch  die  Rücksicht  auf  Lohn  und
Sold  imbeeinflussten  Handelns  unmöglich  wäre.  Die  Existenz
des  sittlichen  Geschmackes  und  jene  des  tugendhaften  Handelns
werden  in  solcher  Verbindung  untereinander  stehend  gedacht,
dass  entweder  die  erstere  zugegeben  oder  auf  die  letztere  verzichtet ­
  werden  müsse.  Da  Hume  (was  ihm  Ehre  macht)  der
Ansicht  zu  sein  scheint,  dass  auf  die  Existenz  tugendhaften
Handelns  schlechterdings  nicht  verzichtet  werden  könne,  bleibt
nichts  anderes  übrig,  als  sich  für  die  Annahme  der  Existenz
eines  Vermögens,  wie  es  der  sittliche  Geschmack  ist,  zu  entscheiden. ­

Wem  würde  an  dieser  Stelle  nicht  die  von  Kant  bevorzugte, ­
  angeblich  von  Newton  entlehnte,  Methode  der  von  ihm
sogenannten  transccndentalen  Deduction  in  den  Sinn  kommen?
Wenn  die  synthetisch  -  apriorische  Natur  der  mathematischen
Urtheile  nicht  anders  als  durch  die  Annahme  der  Existenz
sogenannter  reiner  Anschauungen  zu  retten  ist,  so  muss  die
letztere  behauptet  werden,  heisst  es  in  der  transcendentalen
Aesthetik  Kant’s;  wenn  die  Existenz  tugendhaften  Handelns
nicht  anders  als  unter  der  Annahme  der  Existenz  eines  inneren
Geschmackes,  welcher  das  moralisch  Gute  erfasst  und  das
            
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