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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

lieber  Hurae’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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Fallen  sonacli  Vernunft  und  Geschmack  ihren  Functionen
nach  wirklich  auseinander,  so  ist  nun  zu  untersuchen,  oh  dieselben, ­
  wie  Hume  will,  sich  auch  ihren  Gebieten  nach  unterscheiden. ­
  Wenn  nach  Hume’s  Worten  die  Vernunft  die  Gegenstände ­
  darlegt,  die  sich  thatsächlich  in  der  Natur  vorlinden,  der
Geschmack  ,alle  Gegenstände  der  Natur'  entweder  ,vergoldet'
oder  ,befleckt',  so  scheint  es  als  sollten  ihre  Gebiete  d.  i.  der
Umkreis  der  Gegenstände,  auf  welche  sich  beide  beziehen,  eher
zusammen-  als  auseinanderfallen.  Jeder  Gegenstand,  der  sich  angeblich ­
  in  der  Natur  vorfindet,  bietet  sowohl  der  Vernunft  als
dem  Geschmack  zur  Ausübung  ihrer  bezüglichen  Functionen  eine
Seite  dar:  der  Vernunft,  insofern  dieselbe  ihn  entweder  als  Realität
anerkennt  oder  als  Fiction  aus  dem  Reich  des  Wirklichen
ausscheidet,  dem  Geschmack,  indem  er  entweder  durch  diesen
,vergoldet  oder  befleckt  wird'.  Nicht  nur  nimmt  die  Vernunft
in  den  Umfang  der  Gegenstände,  welche  sie  als  thatsächlich
darlegt,  ohne  zu  denselben  etwas  hinzu  zu  thun  oder  von  denselben ­
  etwas  hinweg  zu  nehmen,  auch  die  Willenseigenschaften
auf,  sondern  auch  der  Geschmack  dehnt  seine  Billigung  und
Missbilligung  über  die  Willenseigenschaften  hinaus  auf  särnmtliclie
  Gegenstände  der  wirklichen  wie  der  eingebildeten  (poetischen) ­
  Welt  aus.  Wenn  daher  zwischen  beiden,  wie  Hume
will,  eine  Trennung  nicht  bloss  der  Function  rücksichtlich  eines
und  desselben  Gebietes,  sondern  eine  Trennung  der  Gebiete
stattfinden  soll,  so  können  die  Gegenstände,  die  unter  die
eine,  und  jene,  die  unter  den  anderen  fallen,  d.  i.  die  Objecte
der  Vernunft  und  jene  des  Geschmackes  nicht  dieselben  sein,
während  sie  doch,  da  nach  obigem  jeder  Gegenstand  sowohl
der  Function  der  Vernunft  wie  jener  des  Geschmackes  eine
Seite  darbietet,  zugleich  dieselben  sein  sollen.
Die  Lösung  des  scheinbaren  Widerspruchs  liegt  darin,  dass
das  Object  der  Vernunft  der  Gegenstand  selbst,  jenes  des
Geschmackes  die  blosse  Vorstellung  desselben  ist.  Sein  oder
Nichtsein  des  ersteren  ist  Aufgabe  der  Vernunft,  Lob  oder
Tadel  der  letzteren  ist  Werk  des  Geschmackes.  Da  jedem
Gegenstand,  er  sei  real  oder  fingirt,  eine  Vorstellung  entspricht,
so  bietet  in  der  That  jeder  Gegenstand  sowohl  der  Vernunft
wie  dem  Geschmack  eine  Seite  dar.  Jener,  indem  er  selbst,
insofern  er  ist  oder  nicht  ist,  diesem,  indem  seine  Vorstellung,
            
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