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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Z  i  in  in  e  r  m  a  n  n.

Wesens  und  Wollens  vorfinden  ,oline  etwas  'hinzuzufügen  oder
wegzunehmen';  der  Gesell  mack  legt  gleichfalls  die  Willenseigenschaften ­
  dar,  aber  nicht,  wie  sie  sich  thatsächlich  vorfinden,  sondern ­
  so,  dass  er  zu  denselben  etwas  hinzufügt,  Lob  (,  Yergoldung 1 )
zu  den  einen,  Tadel  (,Befleckung 1 )  zu  den  anderen.  Derselbe
wird  daher  von  Hume  ,productiv 1  genannt,  weil  er  etwas  aus
sich  erzeugt  und  an  die  Dinge  heranbringt,  was  er  nicht  aus
diesen  genommen  hat  (Lob  und  Tadel);  folgerichtig  hätte  er
die  Vernunft,  welche  nur  das  thatsächlich  in  den  Gegenständen
Vorhandene  wiedergibt,  ohne  etwas  aus  eigenem  hinzuzuthun,
als  reproductives  Vermögen  bezeichnen  müssen.  Dieselbe  wird
von  ihm  ,kalt  und  gleichgültig 1  genannt,  da  sie  sich  begnügt,
die  Gegenstände  darzustellen,  wie  sie  sind;  während  der  Geschmack, ­
  indem  er  die  einen  ,vergoldet 1 ,  die  anderen  ,befleckt 1 ,
an  den  einen  Gefallen,  an  den  anderen  Missfallen  findet,  durch
jene  vergnügt,  beseligt,  durch  diese  abgestossen,  mit  Trauer
erfüllt  wird,  in  beiden  Fällen  Antheil  an  den  Gegenständen
nimmt,  durch  dieselben  erwärmt  und  in  Erregung  versetzt  wird.
Beide  unterscheiden  sich  demnach  den  Gegenständen  gegenüber, ­
  wie  Hume  mit  Recht  sagt,  durch  ihre  ,Function 1 ;  indem
die  Vernunft  dieselben  erkennt  (beschreibt),  der  sittliche  Geschmack ­
  denselben  einen  Werth  beilegt  oder  abspricht  (dieselben ­
  beurtheilt).  In  Ausübung  der  ihr  eigentümlichen  Function ­
  zerfallen  für  die  Vernunft  die  Gegenstände  in  solche,  die
thatsächlich  sind,  und  solche,  die  es  nicht  sind  (Realitäten  und
Fictionen);  in  der  Ausübung  der  seinigen  zerfallen  dieselben
für  den  Geschmack  in  schöne  und  hässliche,  lobens-  und  tadelnswerte ­
  (gute  und  böse).  Insofern  unter  die  thatsächlich  gegebenen ­
  Gegenstände  auch  die  am  Menschen  vorkommenden
Willenseigenschaften  gehören,  fällt  der  Vernunft  vermöge  ihrer
eigentümlichen  Function  die  Aufgabe  zu,  diejenigen,  welche
am  Menschen  thatsächlich  sich  vorfinden  (die  realen),  von  den
demselben  irriger  Weise  beigelegten  (fingirten)  Willenseigenschaften ­
  zu  unterscheiden,  gleichviel,  ob  dieselben  lobenswert
oder  tadelnswürdig  seien,  während  der  Geschmack  vermöge
der  seinigen  die  einen  Willenseigenschaften  lobt,  die  anderen
tadelt,  und  dadurch  jene  als  gute  (Tugenden)  diesen  als  bösen
(Lastern)  gegeniiberstellt,  gleichviel,  ob  dieselben  reale  oder
fingirte  seien.
            
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