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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

TJeber  Hume’s  empirische  Begründnng  der  Moral.

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Besitz  derselben  für  den  Besitzer  herbeiführt,  so  ist  dies  auch
überhaupt  der  Besitz  d.  i.  das  thatsächliche  Vorhandensein  derselben; ­
  mit  anderen  Worten,  diejenigen  Willenseigenschaften,
welche  unmittelbar  gefallen,  thun  dies  ebenso  gut,  wenn  sie
wirklich  vorhanden  sind,  als  wenn  sie  blos  vorgestellt  (imaginirt)
werden,  oder  das  Gefallen  gewisser  Willenseigenschaften  fliesst
einzig  und  ausschliesslich  aus  deren  Vorstellung.
Sonach  wäre  das  sittliche  Gefühl  oder  der  sittliche  Geschmack ­
  eine  innere  Stimme,  welche  gewisse  Willenseigenschaften ­
  unmittelbar  auf  die  blosse  Vorstellung  derselben  hin,
von  deren  thatsächlicher  Existenz  oder  Nichtexistenz  ganz  abgesehen, ­
  lobt  oder  tadelt,  vorzieht  oder  verwirft.  Willenseigenschaften, ­
  deren  blosse  Vorstellung  genügt,  um  von  dem
sittlichen  Gefühle  oder  Geschmacke  vorgezogen  zu  werden,  sind
tugendhafte,  solche,  deren  blosse  Vorstellung  hinreicht,  damit
sie  von  demselben  verworfen  werden,  lasterhafte  zu  nennen.
Die  Frage,  ob  sowohl  Willenseigenschaften  der  ersteren  wie
solche  der  letzteren  Art  thatsächlich  vorhanden  sind,  waren
oder  je  sein  werden,  übt  auf  jene  ihrer  Vorzüglichkeit  oder
Verwerflichkeit  keinerlei  Einfluss  aus.
Hume  legt  Gewicht  darauf,  dass  der  sittliche  Geschmack
oder  das  sittliche  Gefühl  etwas  anderes  als  die  Vernunft  und
von  dieser  rücksichtlich  sowohl  ihrer  Function  als  ihrem  Gebiete ­
  nach  genau  zu  unterscheiden  sei.  ,Die  Vernunft/  sagt  er
(a.  a.O.S.  132),,bringt  die  Erkenntniss  des  Wahren  und  Falschen,
der  Geschmack  gibt  das  Gefühl  des  Schönen  und  Hässlichen,
des  Lasters  und  der  Tugend.  Die  eine  legt  die  Gegenstände
dar,  wie  sie  sich  thatsächlich  in  der  Natur  vorfinden,  ohne  etwas ­
  hinzuzufügen  oder  wegzunehmen;  der  andere  hat  ein  productives ­
  Vermögen,  und  indem  er  alle  Gegenstände  der  Natur
mit  den  von  dem  inneren  Gefühle  erborgten  Farben  entweder
vergoldet  oder  befleckt,  bringt  er  gleichsam  eine  neue  Schöpfung
hervor/  Zu  den  Dingen,  die  sich  ,thatsächlich  in  der  Natur
vorfinden',  gehören  nun  die  Willenseigenschaften  selbst;  in  dem
Lob,  welches  den  einen,  dem  Tadel,  welcher  den  anderen
,unmittelbar'  zufliesst,  besteht  deren  ,Vergoldung'  oder  ,Befleckung' ­
  durch  den  sittlichen  Geschmack.  Wie  die  übrigen
Gegenstände  so  legt  die  ,Vernunft'  die  Willenseigenschaften
dar,  wie  sie  sich  ,thatsächlich'  innerhalb  des  menschlichen
            
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