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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

lieber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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Umstande  eintrete,  bevor  und  ob  ein  solcher  in  der  Erfahrung  angetroffen
  worden  oder  überhaupt  jemals  in  derselben  gegeben  sei.
Sonach  ist  klar,  dass,  um  diejenigen  Willenseigenschaften
zu  entdecken,  an  welche  ethische  Werthbestimmungen,  Lob
und  Tadel  geknüpft  sind,  es  nicht  nothwendig  ist,  von  der
Betrachtung  des  wirklichen  d.  i.  durch  Erfahrung  an  lebenden
oder  lebendig  gewesenen  Menschen  gegebenen  (geschichtlichen)
Wollens  auszugehen,  sondern,  dass  zu  diesem  Zwecke  blosse
Willensbilder  d.  i.  Vorstellungen  von  menschlichem  Wollen
ausreichen.  Da  nun  jene  Entdeckung  die  Aufgabe  der  Ethik
als  Wissenschaft  thatsächlich  ausmacht,  so  folgt,  dass  die  Grundlage ­
  jener,  im  Unterschied  von  den  Entdeckungen  z.  B.  auf
naturwissenschaftlichem  oder  geschichtlichem  Gebiete,  darin  gelegen ­
  sei,  dass  dieselbe  aus  blos  idealen  Objecten  (Vorstellungen,
Bildern),  jene  der  naturwissenschaftlichen  und  geschichtlichen
Entdeckungen  aber  aus  realen  Objecten  (wirklichen  Naturkörpern, ­
  wirklichen  Handlungen)  besteht.  Naturwissenschaftliche ­
  und  geschichtliche  Entdeckungen  charakterisiren  sich  dadurch, ­
  dass  von  einem  Naturkörper,  von  einer  vollzogenen
Handlung,  von  welchen  bisher  keine  Vorstellung  vorhanden
war,  eine  denselben  entsprechende  Vorstellung  entsteht;  ethische ­
  Entdeckungen  charakterisiren  sich  dadurch,  dass  an  die
Vorstellung  einer  gewissen  Willenseigenschaft  eine  auf  das
Object  derselben  (die  Willenseigenschaft)  bezügliche  Werthbestimmung ­
  als  unbedingt  (d.  i.  unter  allen  Umständen)  geknüpft ­
  erkannt  wird.  In  ersterem  Sinne  sagen  wir,  dass  Copernicus
  die  Bewegung  der  Erde  um  die  Sonne  und  Columbus
Amerika  entdeckt  habe;  in  letzterem  Sinne  darf  Hume  die
Entdeckung  des  Wohlwollens  als  derjenigen  Willenseigenschaft,
welcher  unbedingter  Werth  zukommt,  für  sich  in  Anspruch
nehmen.  Während  aber  die  Copernicanische  Vorstellung  von
dem  Verliältniss  der  Erde  zu  der  Sonne  und  die  Vorstellung
des  Columbus  von  der  Existenz  des  neuen  Welttheiles  dadurch
zu  Entdeckungen  erhoben  wurden,  dass  dieselben  durch  die
Erfahrung  an  den  wirklichen  Objecten  eine  Bestätigung  erhielten, ­
  hängt  die  Richtigkeit  der  Hume’schen  Entdeckung  nicht
erst  von  dem  Umstande  ab,  ob  und  dass  Wohlwollen  auch  wirklich ­
  unter  den  Menschen  gefunden  wurde,  sondern  seine  Behauptung, ­
  dass  das  Wohlwollen  eine  woldgefällige  und  den
            
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