Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

778

Zimmermann.

zwar  sowohl  die  eine  als  die  andere  Art  von  Willenseigenschaften ­
  hei  ihm  vereinigt  anzutreffen  glauben,  aber  der  einen
derselben  (der  wohlwollenden)  als  seiner  ,besseren'  Natur  vor
der  anderen  (der  selbstsüchtigen)  als  seiner  ,schlechteren 1  den
Vorzug  einräumen  (Comte).  Denn  da  die  Beobachtung  des
menschlichen  Wollens  nichts  anderes  lehrt  und  lehren  kann
als  dessen  thatsächliche,  entweder  gänzlich  eigennützige  oder
uneigennützige,  oder  zum  Theil  eigennützige  zum  Theil  uneigennützige ­
  Beschaffenheit,  wie  käme  der  Beobachter  dazu,  den
Menschen  um  des  ersteren  Ergebnisses  willen  schlecht,  um  des
zweiten  willen  gut  und  unter  den  beiden  Arten  seines  Wollens,
die  das  Ergebniss  des  dritten  Falles  sind,  die  eine  besser  als
die  andere  zu  finden,  wenn  er  nicht  von  vorneherein  einen  ethischen ­
  Massstab  mitbrächte,  kraft  dessen  ihm  uneigennütziges
Wollen  für  lobens-,  eigennütziges  für  tadelnswerth  gilt,  und  das
Vorherrschen  des  einen  oder  des  anderen  im  Menschen  sein  Urtheilüber
  den  Werth  oder  Unwerth  des  letzteren  selbst  bestimmt?
Hat  er  aber  diesen  Massstab  nicht  aus  ber  Beobachtung
des  wirklichen  Wollens  des  Menschen  gewonnen,  woraus  könnte
er  denselben  geschöpft  haben,  als  aus  der  Betrachtung  des
möglichen  Wollens  desselben  d.  i.  eines  von  ihm  blos  vorgestellten, ­
  nicht  thatsächlich  beobachteten  menschlichen  Wollens?
Das  Wollen  als  Gegenstand  empirischer  Beobachtung  und  dieses
als  Gegenstand  ethischer  Beurtlieilung  unterscheiden  sich  von
einander  wie  wirkliches  und  gedachtes,  Willensact  und  blosse
Vorstellung  eines  solchen,  reales  und  ideelles,  Gegenstand  und
Bild.  Während  in  der  Beobachtung  es  der  Gegenstand  ist,
■welcher  eine  auf  ihn  bezügliche  Vorstellung  (Abbildung)  im
Geiste,  ist  es  bei  der  Beurtheilung  die  blosse  Vorstellung  eines
solchen,  welche  eine  auf  diesen  bezügliche  Werthbestimmung
(Beifall  oder  Missfallen,  Lob  oder  Tadel)  im  Gemütlie  erzeugt.
Und  da,  wie  die  Erfahrung,  die  wir  an  mit  poetischer  Imagination
ausgestatteten  Geistern  machen,  zeigt,  die  Vorstellung  irgend
eines  Objectes  sehr  wohl  im  Intellect  vorhanden  sein  kann,
ehe  und  ohne  dass  ein  derselben  entsprechendes  Object  in  der
Erfahrung  thatsächlich  angetroffen  worden  ist  und  angetroffen
wird,  so  steht  nichts  im  Wege,  dass  eine  aus  der  Betrachtung
dieser  Vorstellung  fliessende  Werthbestimmung  des  durch  dieselbe ­
  vorgestellten  Objectes  früher  und  unabhängig  von  dem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.