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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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möglich  wäre  und  der  Beurtheilung,  welche  in  diesem  Falle
ohne  Zweifel  Yerurtheilung  wäre,  preisgegeben  werden  könnte.
Die  Frage,  oh  gewisse  Willenseigenschaften  thatsächlich
am  menschlichen  Wollen  zu  finden  oder  nicht  zu  finden  seien,
ist  lediglich  empirisch  zu  beantworten  und  gehört  als  solche
in  den  Bereich  der  Erfahrungs-Seelenlehre,  sei  es  der  allgemeinen, ­
  weichenden  Menschen  überhaupt,  sei  es  der  besonderen,
welche  die  Menschen,  sei  es  eines  gewissen  Volkes  (Völkerpsychologie), ­
  oder  eines  gewissen  Zeitalters  (Culturpsychologie),
zum  Gegenstand  erfahrungsgetreuer  Schilderung  macht,  und
zwar  in  denjenigen  Theil  derselben,  welcher  die  Willensbeschaffenheit ­
  des  oder  der  Menschen  dieses  Volkes  oder
dieses  Zeitalters  auf  Grund  empirischer,  der  Erfahrung  entnommener ­
  Thatsachen  (moralische  Statistik)  zu  beschreiben  unternimmt. ­
  Dieselbe  hat  mit  dem  Werth  oder  Unwerth  dieser  auf
Grund  der  Erfahrung  dem  Menschen  entweder  zu-  oder  abgesprochenen ­
  Willenseigenschaften  schlechterdings  nichts  zu  thun;
die  Erfahrungs-Seelenlehre  constatirt  lediglich,  dass  und  welche
Willenseigenschaften  der  Mensch,  wie  er  nun  einmal  ist,  oder
zu  einer  gewissen  Zeit  und  innerhalb  eines  gewissen  Volkes
war,  thatsächlich  besitzt  oder  besessen  hat,  ohne  sich  um  den
Werth  oder  Unwerth  weiter  zu  bekümmern,  die  einen  zu  loben,
die  anderen  zu  tadeln.  Tliut  sie  das  letztere,  findet  sie  z.  B.
einige  derselben,  nachdem  sie  deren  Vorhandensein  constatirt
hat,  liebens-,  andere,  nachdem  das  Gleiche  geschehen  ist,  hassenswerth,
  so  hat  sie  damit  den  ihr  eigenthümlich  ungehörigen
Boden  bereits  verlassen  und  ist  auf  das  Gebiet  ethischer  Werthbestimmungen ­
  ausgeschweift,  welches  als  solches  allerdings  ethischer, ­
  aber,  wie  Idume  in  der  oben  angeführten  Stelle  richtig
erkannt  hat,  von  dem  thatsächlichen  Vorkommen  oder  Nichtvorkommen ­
  denselben  entsprechender  Beschaffenheit  des  menschlichen ­
  Wollens  gänzlich  unabhängig  ist.  Dieses  nun  ist  thatsächlich ­
  sowohl  bei  denjenigen  Menschenbeobachtern  der  Fall,
welche  denselben  der  ihrer  Meinung  nach  constatirtcn  durchaus
egoistischen  Beschaffenheit  seines  Wollens  wegen  schlecht  (Pessimisten: ­
  Schopenhauer),  wie  bei  denjenigen,  welche  denselben  um
seiner  ihrer  Meinung  nach  constatirten  oder  doch  unbestreitbaren
wohlwollenden  uneigennützigen  Gemüthsbeschaffenheit  willen
gut  finden  (Optimisten:  Rousseau),  und  bei  denjenigen,  welche
            
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