Ueber Hume’s empirische Begründung der Moral.
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möglich wäre und der Beurtheilung, welche in diesem Falle
ohne Zweifel Yerurtheilung wäre, preisgegeben werden könnte.
Die Frage, oh gewisse Willenseigenschaften thatsächlich
am menschlichen Wollen zu finden oder nicht zu finden seien,
ist lediglich empirisch zu beantworten und gehört als solche
in den Bereich der Erfahrungs-Seelenlehre, sei es der allgemeinen,
weichenden Menschen überhaupt, sei es der besonderen,
welche die Menschen, sei es eines gewissen Volkes (Völkerpsychologie),
oder eines gewissen Zeitalters (Culturpsychologie),
zum Gegenstand erfahrungsgetreuer Schilderung macht, und
zwar in denjenigen Theil derselben, welcher die Willensbeschaffenheit
des oder der Menschen dieses Volkes oder
dieses Zeitalters auf Grund empirischer, der Erfahrung entnommener
Thatsachen (moralische Statistik) zu beschreiben unternimmt.
Dieselbe hat mit dem Werth oder Unwerth dieser auf
Grund der Erfahrung dem Menschen entweder zu- oder abgesprochenen
Willenseigenschaften schlechterdings nichts zu thun;
die Erfahrungs-Seelenlehre constatirt lediglich, dass und welche
Willenseigenschaften der Mensch, wie er nun einmal ist, oder
zu einer gewissen Zeit und innerhalb eines gewissen Volkes
war, thatsächlich besitzt oder besessen hat, ohne sich um den
Werth oder Unwerth weiter zu bekümmern, die einen zu loben,
die anderen zu tadeln. Tliut sie das letztere, findet sie z. B.
einige derselben, nachdem sie deren Vorhandensein constatirt
hat, liebens-, andere, nachdem das Gleiche geschehen ist, hassenswerth,
so hat sie damit den ihr eigenthümlich ungehörigen
Boden bereits verlassen und ist auf das Gebiet ethischer Werthbestimmungen
ausgeschweift, welches als solches allerdings ethischer,
aber, wie Idume in der oben angeführten Stelle richtig
erkannt hat, von dem thatsächlichen Vorkommen oder Nichtvorkommen
denselben entsprechender Beschaffenheit des menschlichen
Wollens gänzlich unabhängig ist. Dieses nun ist thatsächlich
sowohl bei denjenigen Menschenbeobachtern der Fall,
welche denselben der ihrer Meinung nach constatirtcn durchaus
egoistischen Beschaffenheit seines Wollens wegen schlecht (Pessimisten:
Schopenhauer), wie bei denjenigen, welche denselben um
seiner ihrer Meinung nach constatirten oder doch unbestreitbaren
wohlwollenden uneigennützigen Gemüthsbeschaffenheit willen
gut finden (Optimisten: Rousseau), und bei denjenigen, welche