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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Z  i  m  raermann.

kann.  Das  Gewicht  dieses  Vortheils  macht  sich  geltend  z.  B.
hei  den  von  Hume  selbst  mit  grossem  Rechte  so  hoch  gestellten
Willenseigenschaften  der  uneigennützigen  Menschen-  und  Nächstenliebe, ­
  der  Selbstverläugnung,  Aufopferung  und  des  Wohlwollens, ­
  von  welchem  die  Vertheidiger  der  Moral  des  Eigennutzes ­
  (Helvetius  u.  a.)  mit  vielem  Scheine  des  Rechts  behaupten,
dass  sie  am  menschlichen  Wollen,  wie  dasselbe  thatsächlich  und
laut  des  Zeugnisses  der  Geschichte  beschaffen  sei,  niemals
angetroffen  würden,  vielmehr  die  gerade  entgegengesetzten:  die
eigennützige  Selbstliebe,  der  Egoismus  und  die  selbstsüchtige
Opferung  des  anderen  um  des  eigenen  Vortheils  willen,  die  thatsächlich ­
  herrschenden  Eigenschaften  des  menschlichen  Wollens
seien.  Hume  hat  sich  die  grösste  Mühe  gegeben,  letztere  Behauptung ­
  und  die  mit  ihr  zusammenhängende  Folgerung,  dass
die  scheinbar  stattfindenden  Ausnahmen  von  dieser  Regel  blosser
Schein  und  die  vermeintliche  Uneigennützigkeit  und  Selbstlosigkeit ­
  nur  feinerer  und  versteckter  Eigennutz  und  Selbstliebe
seien,  zu  widerlegen  und  seinerseits  das  Vorhandensein  jener
Gefühle  als  eine  unbestreitbare  und  von  jedermann,  der  nicht
offenbar  bösen  Willen  mitbringe,  anzuerkennende  Thatsache
hinzustellen.  Leider  ist  ihm  nicht  klar  geworden,  dass  er
sowohl  das  eine  wie  das  andere  zum  eigentlichen  Zweck  seiner
Untersuchung,  die  schlechterdings  lobens-  oder  tadelnswerthen
Willenseigenschaften  als  Grundlage  der  Moral  festzustellen,  sich
hätte  ersparen  können,  da  es  nach  seinem  eigenen  obigen
Eingeständnis  zum  Zweck  der  Beurtlieilung  nur  auf  die  Vorstellung ­
  einer  gewissen  Willenseigenschaft  (ihr  Bild!)  und  nicht
darauf  ankommt,  das  jene  Willenseigenschaft  selbst  irgend
wo  oder  irgend  wann  thatsächlich  vorhanden  (jenes  Bild
Abbildung  eines  Wirklichen)  sei.  Auch  wenn  es  wahr  wäre,
dass  es  niemals  ein  schlechterdings  reines  Wohlwollen  gegeben
habe  noch  je  geben  werde  (d.  i.  wenn  die  Moralisten  vom
Schlage  des  Larochefoucauld  oder  Vauvenargues  recht  hätten),
so  würde  nichtsdestoweniger  die  Vorstellung  eines  solchen
(sein  Bild)  möglich  sein  und  der  Beurtlieilung  ausgesetzt  werden
können:  so  wie  umgekehrt,  wenn  niemals  schlcchthinig  grausames ­
  und  schadenfrohes  Wollen  in  der  Welt  zu  finden  (d.  i.
der  Mensch  nach  der  Versicherung  Rousseau’s  und  Kant’s  seiner
wahren  Natur  nach  schlechthin  gut)  wäre,  das  Bild  eines  solchen
            
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