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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Zimmer  mann.

Unter  diesen  Umständen  ist  die  Vorstellung  des  anderen
und  seines  Wollens  zwar  die  Veranlassung,  ja  die  Bedingung,
dass  das  eigene  Wollen  eine  gewisse  Richtung  nehme,  keineswegs ­
  aber  die  Existenz  des  anderen  und  seines  Wollens  Ursache ­
  des  eigenen  Wollens.  Wäre  die  Vorstellung  des  anderen
in  mir  überhaupt  gar  nicht  vorhanden,  so  könnte  ein  Wollen,
das  sich  auf  dessen  Wollen  bezöge,  in  mir  gar  nicht  entstehen;
darum  aber,  weil  die  Vorstellung  des  anderen  und  seines
Wollens  in  mir  vorhanden  ist,  muss  eine  Abhängigkeit  meines
Wollens  von  seinem  Wollen  ebenso  wenig  eintreten.  Wäre
das  erstere  nicht  der  Fall,  so  käme  nie  ein  Verhältniss  zwischen
meinem  und  fremdem  Wollen  zu  Stande;  wäre  das  letztere  der
Fall,  so  wäre  die  Beziehung  meines  eigenen  zum  fremden
Wollen  keine  freiwillige.  Dieselbe  ist  daher  zwar  insofern
keine  zufällige,  als  ihr  die  Vorstellung  des  fremden  Wollens
in  mir  vorangegangen  sein  und  auf  mein  eigenes  Wollen  einen
Einfluss  geübt  haben  muss;  dagegen  insofern  zufällig,  als  die
Realität  des  anderen  und  seines  Wollens  auf  Entstehen  und
Beschaffenheit  meines  Wollens  keinen  Einfluss  übt,  weil  derselbe
ebenso  gut  nur  in  meiner  Vorstellung  als  auch  unabhängig  von
dieser  wirklich  vorhanden  sein  kann.  Auch  wenn  der  andere
wirklich  vorhanden  ist,  fällt  die  Beziehung  meines  Wollens  auf
das  seine  gleichwohl  ihm  zu,  ohne  dass  er  daran  irgend  einen
Antheil  hat;  sie  würde  ihm  auch  zufallen,  wenn  er  nicht  existirte.
  Wenn  die  Vorstellung  des  anderen  und  seines  Wollens
in  mir  vorhanden  ist,  so  wird  dieselbe  zwar  auf  Entstehen  und
Beschaffenheit  des  Wollens  in  mir  einen  Einfluss  nehmen;  die
Folge  desselben  kann  aber  eine  sehr  verschiedene,  der  Entstehung ­
  eines  auf  den  anderen  bezüglichen  (socialen)  Wollens
sowohl  förderliche  als  nachtheilige  sein.  Die  Vorstellung  des
anderen  und  seines  Wollens  wird  weder  jedesmal  und  in  jedem
stark  genug  sein,  ein  sociales  Wollen  nach  sich  zu  ziehen;
noch  weniger  wird  dieselbe  jedesmal  und  in  jedem  ein  sociales
Wollen  derselben  Beschaffenheit  zur  Folge  haben.  Ersterer
Umstand  begründet  den  Unterschied  zwischen  sociabeln  und
insociabeln,  letztere  jenen  zwischen  social-charaktervollen  und
social  -  haltlosen  Naturen.  In  sociahel  angelegten  Gemüthern
wird  die  leiseste  Anwesenheit  auf  andere  und  deren  Wollen
bezüglicher  Vorstellungen  ein  auf  den  anderen  gerichtetes

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