Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ucber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

74o

zu  sein,  Formurtheil  sein,  statt  eines  einzelnes  Objectes,  ein
Verhältniss  zwischen  Objecten  zum  Gegenstand  seiner  Subjectsvorstellung
  haben  muss,  so  kann  das  unbedingte  ethische ­
  Urthcil  Lob  und  Tadel  nicht  über  ein  Einzelwollen,
sondern  nur  über  Verhältnisse  zwischen  Wollen  aussprechen,
wie  das  unbedingte  coloristischc  Urtheil  solches  über  Verhältnisse ­
  zwischen  Farben  (Farbenharmonien  und  Disharmonien),
das  unbedingte  musikalische  Urtheil  solches  über  Verhältnisse
zwischen  Tönen  (Consonanzen,  Dissonanzen)  inappellabel  ergehen ­
  lässt.
Beurtheilt  das  ethische  Urtheil  nur  Willensverhältnisse
mit  Unbedingtheit,  so  leuchtet  ein,  dass  dasselbe  harmonische
Willensverhältnisse  ebenso  unbedingt  loben  als  disharmonische
unbedingt  tadeln  wird.  Ebenso  aber  auch,  dass  mit  der  Anerkennung ­
  des  unbedingten  Wortlies  harmonischer  und  unbedingten ­
  Unwerthes  disharmonischer  Willensverhältnisse  die  Frage:
welche  Willens  Verhältnisse  nun  das  eine  oder  das  andere  seien,
ebenso  wenig  gelöst  ist,  als  mit  der  Anerkennung,  dass  Consonanzen ­
  vorzüglich,  Dissonanzen  verwerflich  seien,  die  analoge ­
  nach  Zahl  und  Inhalt  der  harmonischen  und  disharmonischen ­
  Tonintervalle.  So  wenig  die  musikalische  Aesthetik  sich
in  der  Behauptung  erschöpft,  dass  Harmonie  der  Töne  gefalle,
Disharmonie  missfalle,  sondern  es  als  ihre  Aufgabe  betrachtet,
die  überhaupt  möglichen  harmonischen  und  disharmonischen
Verhältnisse  darzulegen,  welche  als  primitive  die  Grundelemente ­
  einer  Welt  untereinander  melodisch  und  harmonisch  verbundener ­
  consonirender  und  dissonirender  Tonfolgen  und  Accorde
  bilden,  so  kann  die  Wissenschaft  der  Ethik  sich  nicht  damit
zufrieden  geben,  erkannt  zu  haben,  weder  dass  überhaupt  nur
Willensverhältnisse  Lob  oder  Tadel  wecken,  noch  dass  nur
Willensharmonien  lobenswerth,  dagegen  Willensdisharmonien  unbedingt ­
  tadelnswürdig  seien,  sondern  sie  kann  ihre  Aufgabe  erst
dann  als  gelöst  ansehen,  wenn  es  ihr  gelungen  ist,  die  Willensverhältnisse
  selbst,  welche  harmonisch,  sowie  jene,  welche  disharmonisch ­
  sind;  und  damit  sowohl  das  unbedingt  lobens-  wie
das  unbedingt  tadelnswerthe  Wollen  inhaltlich  zu  erschliessen.
Die  Lösung  dieses  letzteren  Theiles  ihrer  Aufgabe  wird,  da  es
sich  um  eine  erschöpfende  Aufzählung  handelt,  in  ihrer  Methode
eine  gewisse  Aehnlichkeit  zeigen  müssen  mit  derjenigen,  welche

■
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.