Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

742

Zimmer  mann.

das  Gefühl,  das  ihr  Prädicat  ausmacht,  und  die  Form  Vorstellung,
die  ihnen  als  Subject  dient',  identisch  sind,  sonach  jenes  ausschliesslich ­
  durch  diese  bedingt  ist.
Wenn,  wie  oben  gesagt,  ethische  Urthcile  nur  dann  Anspruch ­
  auf  Allgemeingiltigkeit  haben  werden,  wenn  sie  identische ­
  sind,  dieselben  letztere  Eigenschaft  aber  nur  dann  besitzen
können,  wenn  es  möglich  ist,  dass  ehr  Prädicat,  welches  Gefühl,
und  ein  Subject,  welches  Vorstellung  ist,  einander  decken,  so
ist  durch  das  Vorstehende  der  Beweis  geliefert,  dass  es  Urtheile
  gibt,  in  welchen  dies  wirklich  der  Fall  ist.  Daraus
ist  zu  folgern,  dass,  wenn  die  ethischen  Urthcile  eine  Art  der
ästhetischen  Formurtheile  überhaupt  ausmachen,  das  nämliche
auch  bei  ihnen  der  Fall  sein  werde.  Da  das  Prädicat  der
ethischen  Urtheile  von  Haus  aus  von  demjenigen  der  ästhetischen
Urtheile  nicht  verschieden,  sondern  wie  dieses  Vorziehen  oder
Verwerfen  ist,  nur  mit  der  Beschränkung,  dass  das  Vorgezogene
oder  Verworfene  im  ethischen  Urtheile  eine  Willensbeschaffenheit ­
  (eine  Tugend,  wenn  sie  vorgezogen,  ein  Laster,  wenn  sie
verworfen  wird)  ist,  so  kann  die  Differenz  zwischen  dem  ethischen ­
  Urtheile  und  dem  ästhetischen  Formurtheile  nur  in  der
Beschaffenheit  des  Subjectes  gelegen  sein.  Da  nun  das  ästhetische ­
  Formurtheil  seine  Unbedingtheit  ausschliesslich,dem  Umstand ­
  verdankt,  dass  sein  Subject  die  Vorstellung  eines  Verhältnisses ­
  zwischen  Objecten,  nicht  eines  Einzelobjectes  ist,
so  wird,  wenn  das  ethische  Urtheil  derselben  Unbedingtheit
sich  erfreuen  soll,  auch  sein  Subject  nicht  die  Vorstellung  eines
Einzelobjectes  sein  dürfen,  sondern  die  eines  Verhältnisses
zwischen  Objecten  sein  müssen.  Dasselbe  wird,  um  unbedingt ­
  zu  sein,  den  Gattungscharakter  der  unbedingten  Urtheile ­
  an  sich  tragen,  zugleich  (in  Bezug  auf  sein  Subject)
ein  Formurtheil  und  (in  Bezug  auf  sein  Prädicat)  ein  ästhetisches ­
  Urtheil  sein,  überdies  aber,  um  als  specitischc  Art
dieser  Gattung  neben  anderen  specifischen  Arten  derselben
sich  zu  behaupten,  ein  specifisches  Merkmal  an  sich  tragen
müssen,  welches,  wie  leicht  ersichtlich,  in  nichts  anderem  als
in  der  specifischen  Natur  des  Objectes,  von  welchem  es  handelt,
gelegen  sein  kann.  Dieses  Object  ist  beim  ethischen  Urtheile
das  Wollen,  wie  bei  coloristischen  die  Farbe,  beim  musikalischen
der  Ton  u.  s.  w.  Weil  aber  das  ethische  Urtheil,  um  unbedingt
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.