742
Zimmer mann.
das Gefühl, das ihr Prädicat ausmacht, und die Form Vorstellung,
die ihnen als Subject dient', identisch sind, sonach jenes ausschliesslich
durch diese bedingt ist.
Wenn, wie oben gesagt, ethische Urthcile nur dann Anspruch
auf Allgemeingiltigkeit haben werden, wenn sie identische
sind, dieselben letztere Eigenschaft aber nur dann besitzen
können, wenn es möglich ist, dass ehr Prädicat, welches Gefühl,
und ein Subject, welches Vorstellung ist, einander decken, so
ist durch das Vorstehende der Beweis geliefert, dass es Urtheile
gibt, in welchen dies wirklich der Fall ist. Daraus
ist zu folgern, dass, wenn die ethischen Urthcile eine Art der
ästhetischen Formurtheile überhaupt ausmachen, das nämliche
auch bei ihnen der Fall sein werde. Da das Prädicat der
ethischen Urtheile von Haus aus von demjenigen der ästhetischen
Urtheile nicht verschieden, sondern wie dieses Vorziehen oder
Verwerfen ist, nur mit der Beschränkung, dass das Vorgezogene
oder Verworfene im ethischen Urtheile eine Willensbeschaffenheit
(eine Tugend, wenn sie vorgezogen, ein Laster, wenn sie
verworfen wird) ist, so kann die Differenz zwischen dem ethischen
Urtheile und dem ästhetischen Formurtheile nur in der
Beschaffenheit des Subjectes gelegen sein. Da nun das ästhetische
Formurtheil seine Unbedingtheit ausschliesslich,dem Umstand
verdankt, dass sein Subject die Vorstellung eines Verhältnisses
zwischen Objecten, nicht eines Einzelobjectes ist,
so wird, wenn das ethische Urtheil derselben Unbedingtheit
sich erfreuen soll, auch sein Subject nicht die Vorstellung eines
Einzelobjectes sein dürfen, sondern die eines Verhältnisses
zwischen Objecten sein müssen. Dasselbe wird, um unbedingt
zu sein, den Gattungscharakter der unbedingten Urtheile
an sich tragen, zugleich (in Bezug auf sein Subject)
ein Formurtheil und (in Bezug auf sein Prädicat) ein ästhetisches
Urtheil sein, überdies aber, um als specitischc Art
dieser Gattung neben anderen specifischen Arten derselben
sich zu behaupten, ein specifisches Merkmal an sich tragen
müssen, welches, wie leicht ersichtlich, in nichts anderem als
in der specifischen Natur des Objectes, von welchem es handelt,
gelegen sein kann. Dieses Object ist beim ethischen Urtheile
das Wollen, wie bei coloristischen die Farbe, beim musikalischen
der Ton u. s. w. Weil aber das ethische Urtheil, um unbedingt