Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

740

Zi  mmerro  ann,

Gegentheil  der  Fall  ist.  Ausdruck  des  ersteren  Falles,  durch
welchen  die  Spannung  in  Lösung,  das  Gespannte  in  Befreiung
übergeht,  ist  ein  Lust-,  Ausdruck  des  letzteren,  bei  welchem
die  Spannung  und  damit  das  Bedürfniss  der  Lösung  unbefriedigt ­
  fortbesteht,  ein  Unlustgefühl.
Wo  daher  unter  der  Voraussetzung,  dass  wir  es  nur  mit  der
Gegenwart  verwandter  Vorstellungen  zu  thun  haben,  ein  Lustgefühl ­
  eintritt,  wird  der  Schluss  berechtigt  sein,  dass  zwischen
den  Vorstellungen  Uebergewicht  des  Identischen,  Uebereinstimmung
  (Harmonie),  wo  dagegen  ein  Unlustgefühl  sich  einstellt,
ebenso,  dass  unter  den  Vorstellungen  Uebergewicht  des  Gegensätzlichen, ­
  Nicht-Uebereinstimmung  (Disharmonie)  herrsche.
Harmonie  zwischen  den  Vorstellungen  und  Lustgefühl  einer-,
Disharmonie  zwischen  denselben  und  Unlustgefühl  andererseits
sind  unzertrennlich  mit  einander  verknüpft  dadurch,  das  die
erstere  nichts  anderes  als  das  Uebergewicht  des  Identischen
über  das  Gegensätzliche  (oder  des  Gegensätzlichen  über  das
Identische)  d.  i.  die  Lage  der  Vorstellungen,  das  letztere  nichts
anderes  als  der  Ausdruck  dieser  selben  Lage  ist.  Wird  daher
jene  Lage  der  Vorstellungen,  bei  welcher  das  Identische  in  den
selben  das  Gegensätzliche  oder  das  Gegensätzliche  das  Identische
überwiegt,  selbst  vorgestellt  und  letztere  Vorstellung  mit  einem
Namen  (z.  B.  Harmonie,  Disharmonie)  bezeichnet,  so  stellt  die  so
benannte  Vorstellung  das  nämliche  vor,  was  beziehungsweise
durch  obiges  Lust-  oder  Unlustgefühl  ausgedrückt  wird.  Beide,
jene  Vorstellung  und  dieses  Gefühl,  sind  untereinander  identisch;
sie  beziehen  sich  beide  auf  dasselbe  Object,  auf  die  nämliche
Lage,  welche  von  der  einen  in  der  Sprache  des  Vorstollens,
von  dem  anderen  in  jener  des  Fühlens  ausgedrückt  wird;
und  ein  Urtheil,  in  welchem  obige  Vorstellung  der  Lage  das
Subject,  obiges  Gefühl  dieser  selben  Lage  das  Prädicat  ausmacht, ­
  ist  daher  nicht  nur  ein  solches,  in  welchem  das  Prädicat
unabtrennlich  mit  seinem  Subjecte  verbunden  ist,  sondern  im
wahren  und  strengen  Sinne  des  Wortes  ein  identisches  und
aus  diesem  Grunde  absolut  verlässiges  und  allgemein  gütiges
Urtheil.
Urtheile  wie  folgende:  Harmonie  gefällt,  Disharmonie
missfällt,  sind  daher  identische  und  darum  schlechterdings  unbedingt ­
  gütige  Urtheile.  Die  Unbedingtheit  derselben  schliesst
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.