Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

736

Zimmer  mann.

trifft,  nur  dadurch  entgeht,  dass  ihre  Sätze  (im  Gegensätze  zu
Kant)  eben  keine  synthetischen,  sondern  lediglich  analytische
oder  identische  Urtheile  sind,  werden  die  praktischen  Wissenschaften ­
  ihrerseits  aus  synthetischen  Urtheilen  aufgebaut,  welche,
da  sie  weder  durch  äussere  noch  durch  innere  Anschauung  vermittelt ­
  sein  sollen,  keine  anderen  als  materiale  der  oben  verpönten ­
  Art  sein  können.  Soll  dieser  Widerspruch,  kraft  dessen
auf  theoretischem  Gebiet  verboten,  was  auf  praktischem  erlaubt
ist,  vermieden  werden,  so  muss  dessen  Grund  hinwegfallen.
Dieser  liegt  aber  darin,  dass  die  ethischen  Urtheile  als  unmittelbare ­
  angesehen  und  doch  weder  als  identische  noch  als  Anschauungsurtheile
  betrachtet  werden  sollen;  jenes,  weil  sie  keines
Beweises  bedürftig,  dieses,  weil  einerseits  Gefühle  nicht  mit
Vorstellungen  identisch,  andererseits,  weil  ethische  Objecte  kein
Gegenstand  äusserer  oder  innerer  Anschauung  sind.  Da  das
erste  und  das  dritte  unbezweifelbar  richtig  ist,  die  ethischen  Urtheile ­
  in  der  That  ebensowohl  von  selbst  einleuchtende  Evidenz
besitzen,  als  ethische  Objecte  kein  Gegenstand  äusserer  oder
innerer  Anschauung  sind,  so  kann  der  Irrthum,  wenn  einer
vorhanden  ist,  nur  in  dem  zweiten,  d.  i.  in  der  Voraussetzung
gelegen  sein,  dass  ethische  Urtheile,  weil  ihr  Subject  und
ihr  Prädicat  verschiedenen  Sphären,  jenes  jener  des  Vorstehers, ­
  dieses  jener  des  Fühlens  angehören,  nicht  identische
sein  könnten.
Die  Möglichkeit  dieser  Identität  ist  der  entscheidende
Punkt.  Nicht  darauf  kommt  es  an,  dass  überhaupt  Gefühle
und  Vorstellungen  identisch  seien,  was  den  Unterschied  zwischen ­
  den  Gattungen  selbst  beseitigen  würde,  sondern  darauf,
dass  im  ethischen  Urtheil  die  Vorstellung,  welche  das  Subject
mit  dem  Gefühl,  welches  das  Prädicat  desselben  bildet,  identisch ­
  sei.  Zu  diesem  Zwecke  muss  einerseits  die  Natur  der  Vorstellung, ­
  welche  im  ethischen  Urtheil  die  Stelle  des  Subjectes,
andererseits  jene  des  Gefühls,  welches  in  diesem  die  Stelle  des
Prädicates  ausfüllt,  in  Untersuchung  gezogen  werden.
Wenn  aus  der  Natur  des  Gefühls  hervorgeht,  dass  dasselbe ­
  nur  ein  Verhalten,  sei  es  eines  oder  mehrerer  zu  mehreren
oder  einem  ausdrückt,  so  folgt,  dass  eine  Vorstellung,  wenn  sie
mit  einem  Gefühl  soll  identisch  sein  können,  auch  nichts  anderes
als  ein  Verhalten  eines  oder  mehrerer  zu  mehreren  oder  einem
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.