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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hnme’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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empirische  poch  durch  eine  reine,  also  überhaupt  gar  nicht  durch
eine  Anschauung  gegeben  ist.  Synthetische  Urtheile  dieser  Art
sind  zuerst  von  Humc  mit  Glück  bestritten  worden  durch  die
Bemerkung,  dass,  wenn  es  dergleichen  gebe,  sich  aus  der  Vorstellung ­
  der  Ursache  die  Vorstellung  der  Wirkung  als  zugehörig
ergeben  d.  i.  dass  sich  aus  der  Kenntniss  der  ersteren  ohne
Zuhilfenahme  der  Erfahrung  die  Beschaffenheit  der  letzteren
würde  Vorhersagen  lassen  müssen.  Da  dieses  nicht  möglich
ist,  so  folge,  dass  derjenige,  der  die  Subjectsvorstellung  d.  i.
die  Vorstellung  der  Ursache  hat,  damit  nicht  zugleich  die
Vorstellung  der  Wirkung  d.  i.  die  dazu  gehörige  Prädicatsvorstellung
  besitze  d.  i.  dass  synthetische  Urtheile,  in  welchen
das  vom  Subjecte  verschiedene  Prädicat  durch  jenes  allein,
ohne  Vermittlung  (äussere  oder  innere)  gegeben  wäre,  unmöglich ­
  seien.
Ethische  Urtheile  nun,  in  welchen  die  Verbindung  zwischen
Subject  und  Prädicat  weder  durch  beider  gänzliche  oder  theilweise
  Identität,  noch  durch  (empirische  oder  reine)  Anschauung
gegeben  wäre,  fallen  in  den  Umkreis  dieser  von  Hume  bestrittenen ­
  materialen  Synthesen.  Da  das  Prädicat  derselben,
der  Ausdruck  des  Lobes  oder  Tadels,  weder  mit  dem  Subjecte
ganz  oder  theilweise  identisch,  noch  mit  demselben  durch  (äussere
oder  innere)  Anschauung  verknüpft  sein  soll,  so  kann  derselbe
nur  durch  den  materialen  Inhalt  der  Subjectsvorstellung  d.  i.
durch  die  Vorstellung  einer  gewissen  Art  von  Wollen  in  der
Weise  bedingt  werden,  dass  sich  aus  dieser  allein  ohne  Zuhilfenahme ­
  der  Erfahrung  Voraussagen  Hesse,  ob  sie  von  Lob  oder
Tadel  begleitet  sein  werde.  Sind  daher  materiale  Synthesen
überhaupt  unmöglich,  so  müssen  es  auch  diejenigen  sein,  die
ihrem  Inhalte  nach  ethische  Urtheile  sind.
Wenn,  wie  wir  sehen  werden,  derselbe  Denker,  der  auf
theoretischem  Felde  die  Geltung  materialer  Synthesen  scharfsinnig
bestreitet,  dieselben  auf  ethischem  Gebiet  unbeanständet  gelten
lässt,  so  liegt  hier  derselbe  schwer  begreifliche  Widerspruch
vor,  welcher  auch  anderwärts  zwischen  dem  theoretischen  Skeptiker ­
  und  ethischen  Dogmatiker  herrscht.  Während  unter  den
theoretischen  Wissenschaften  selbst  die  Mathematik  dem  allgemeinen ­
  Schicksal  der  Ungewissheit,  welches  alle  auf  Synthesen,
die  nur  aposteriorische  sein  können,  gebaute  Wissensgebiete
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