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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hurae’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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zugleich  sein  soll.  Beides  entspringt  aus  dem  Umstande,  dass  der
Grund  der  Unwiderstehlichkeit  des  ethischen  Urtheils  in  der
Natur  des  Urtheilenden,  sei  es,  wie  der  Monismus  will,  in  der
Einzigkeit,  sei  es,  wie  der  Individualismus  behauptet,  in  der
(präsumirten)  Gleichartigkeit  des  Gewissens  in  allen  gefunden
wird.  Es  bleibt  daher  nur  das  andere  Glied  obiger  Alternative
übrig,  demzufolge  die  Unwiderstehlichkeit  ihren  Grund  nicht
(subjectiv)  in  der  Beschaffenheit  des  Urtheilenden,  sondern
(objectiv)  in  der  Beschaffenheit  des  Urtheils  selbst  haben  soll.
In  welcher  Weise  kann  nun  die  Beschaffenheit  des  Urtheils  dazu
beitragen,  dasselbe  unwiderstehlich  zu  machen?  Offenbar  nur
durch  dasjenige,  was  am  Urtheile  diesem  selbst  und  nicht  dem
Urtheilenden  angehört,  also,  um  kantisch  zu  reden,  zwar  durch
dasjenige,  was  die  Quantität  Qualität  und  Relation,  aber  nicht
durch  dasjenige,  was  die  Modalität  angeht.  Wird  von  der  letzteren ­
  abgesehen,  so  bleiben  als  Bestandteile,  worauf  die  Beschaffenheit ­
  des  Urtheils  sich  gründet,  nur  Subject  Prädicat
und  Copula  übrig.  Letztere  muss,  wenn  das  Urtheil  unwiderstehlich ­
  sein  soll,  von  der  Art  sein,  dass  das  Prädicat  vom
Subject  sich  auf  keine  Weise  trennen,  mit  demselben  Subject ­
  jederzeit  nur  ein  und  dasselbe  Prädicat  sich  verbinden
lässt.  Dieser  Fall  tritt  im  weiteren  Sinne  bei  allen  analytischen,
im  engsten  dagegen  bei  allen  identischen  Urteilen  ein;  jenes
beschränkt  durch  die  Bestimmung,  dass  das  Prädicat  die  Wiederholung ­
  eines  Theiles  des  Subjectes  sein  soll,  die  Zahl  der  möglichen ­
  Prädicate  auf  die  Zahl  der  Subjecttheile,  dieses  durch  die
Bestimmung,  dass  Prädicat  und  Subject  den  nämlichen  Inhalt
haben  sollen,  auf  das  Subject  selbst.  So  können  aus  dem  Subject ­
  AB  nur  zwei  analytische  Urtheile:  AB  ist  A  und  AB
ist  B  entspringen;  dagegen  entspringt  aus  demselben  Subjeete
nur  ein  identisches:  AB  ist  AB.  Jedes  analytische  und  noch
mehr  jedes  identische  Urtheil  ist  daher  unwiderstehlich  d.  i.
es  ist  schlechterdings  unmöglich,  wenn  nur  aus  der  Beschaffenheit ­
  des  Urtheils  herausgedacht  wird,  mit  der  Subjectsvorstellung
die  Prädicatvorstellung  nicht  oder  eine  andere  als  diese  verbunden ­
  zu  denken.  Und  da  dies  von  allen  identischen  oder
analytischen  Urtheilen  gilt,  so  wird  es  auch  von  ethische  Objecte
betreffenden  oder  ethischen  Urtheilen  gelten  müssen,  vorausgesetzt, ­
  dass  dieselben  analytischer  oder  identischer  Natur  sein  sollten.
            
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