Ueber Hurae’s empirische Begründung der Moral.
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zugleich sein soll. Beides entspringt aus dem Umstande, dass der
Grund der Unwiderstehlichkeit des ethischen Urtheils in der
Natur des Urtheilenden, sei es, wie der Monismus will, in der
Einzigkeit, sei es, wie der Individualismus behauptet, in der
(präsumirten) Gleichartigkeit des Gewissens in allen gefunden
wird. Es bleibt daher nur das andere Glied obiger Alternative
übrig, demzufolge die Unwiderstehlichkeit ihren Grund nicht
(subjectiv) in der Beschaffenheit des Urtheilenden, sondern
(objectiv) in der Beschaffenheit des Urtheils selbst haben soll.
In welcher Weise kann nun die Beschaffenheit des Urtheils dazu
beitragen, dasselbe unwiderstehlich zu machen? Offenbar nur
durch dasjenige, was am Urtheile diesem selbst und nicht dem
Urtheilenden angehört, also, um kantisch zu reden, zwar durch
dasjenige, was die Quantität Qualität und Relation, aber nicht
durch dasjenige, was die Modalität angeht. Wird von der letzteren
abgesehen, so bleiben als Bestandteile, worauf die Beschaffenheit
des Urtheils sich gründet, nur Subject Prädicat
und Copula übrig. Letztere muss, wenn das Urtheil unwiderstehlich
sein soll, von der Art sein, dass das Prädicat vom
Subject sich auf keine Weise trennen, mit demselben Subject
jederzeit nur ein und dasselbe Prädicat sich verbinden
lässt. Dieser Fall tritt im weiteren Sinne bei allen analytischen,
im engsten dagegen bei allen identischen Urteilen ein; jenes
beschränkt durch die Bestimmung, dass das Prädicat die Wiederholung
eines Theiles des Subjectes sein soll, die Zahl der möglichen
Prädicate auf die Zahl der Subjecttheile, dieses durch die
Bestimmung, dass Prädicat und Subject den nämlichen Inhalt
haben sollen, auf das Subject selbst. So können aus dem Subject
AB nur zwei analytische Urtheile: AB ist A und AB
ist B entspringen; dagegen entspringt aus demselben Subjeete
nur ein identisches: AB ist AB. Jedes analytische und noch
mehr jedes identische Urtheil ist daher unwiderstehlich d. i.
es ist schlechterdings unmöglich, wenn nur aus der Beschaffenheit
des Urtheils herausgedacht wird, mit der Subjectsvorstellung
die Prädicatvorstellung nicht oder eine andere als diese verbunden
zu denken. Und da dies von allen identischen oder
analytischen Urtheilen gilt, so wird es auch von ethische Objecte
betreffenden oder ethischen Urtheilen gelten müssen, vorausgesetzt,
dass dieselben analytischer oder identischer Natur sein sollten.