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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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deren  Urtheile  auf  gleiche  Weise  unwiderstehlich  seien.  Erstere
Annahme  widerspricht  der  Grundvoraussetzung  des  ethischen
Dogmatismus,  letztere  verlegt  den  Widerspruch  zweier  gleich
unwiderstehlich  urtheilender,  aber  mit  einander  unverträglicher
Stimmen,  deren  eine  das  lobt,  was  die  andere  tadelt,  in  die  über
ethische  Objecte  urtheilende  Menschennatur  selbst.  Während  in
jenem  Falle  eine  mit  Allgemeingiltigkeit  über  ethische  Objecte
urtheilende  Stimme  d.  i.  ein  Gewissen  überhaupt  nicht  existirt,
existiren  im  letzteren  Falle  deren  zwei,  deren  Aussprüche  in
gleicher  Weise  unwiderstehlich,  also  mit  dem  Anspruch  auf
Allgemeingiltigkeit  ausgerüstet  sind,  aber  sich  unter  einander
dem  Inhalt  nach  ausschliessen  können.
Wenn  der  naive  Dogmatismus  die  Gleichartigkeit  der
über  ethische  Objecte  urtheilenden  Natur  in  allen  Menschen
als  selbstverständlich  voraussetzt,  so  sucht  der  rcflectircnde
dieselbe  zu  erweisen.  Der  metaphysische  Monismus  hat  dabei
vor  dem  metaphysischen  Individualismus,  wie  schon  oben  erwähnt, ­
  den  Vorth  eil  voraus,  dass  von  seinem  Standpunkte  aus
das  wahrhaft  Seiende  nur  Eines,  folglich  auch  im  vorliegenden
Falle  die  über  ethische  Objecte  wahrhaft  urtheilende  Menschenoder ­
  Geistesnatur  in  allen  urtheilenden  Menschen-  und  Geisterindividuen ­
  die  nämliche,  nicht  blos  in  allen  die  gleiche,  sondern
substantiell  die  einzige  ist;  daher  sich  deren  Gleichartigkeit
in  allen  und  folglich  die  Gleichartigkeit  ihrer  Aussprüche  bei
allen  von  selbst  ergibt,  weil  es  ja  nicht  die  Individuen  sind,
deren  jedes  auf  gleiche,  sondern  in  allen  dieselbe  Natur  es  ist,
die  in  ihnen  auf  ihre  Weise  urtheilt.  Urtheilende  Natur  (Gewissen) ­
  und  Individuen  verhalten  sieh  in  diesem  Falle  nach
einem  von  Leibniz  gegen  Averrhoes  und  Spinoza  angewandten
Gleichniss  wie  die  Luft,  die  durch  die  Orgelpfeifen  zieht,  zu
diesen  selbst  So  wenig  durch  die  Vielheit  der  Pfeifen  die
Luft  selbst  vervielfältigt,  so  wenig  wird  durch  das  Lautwerden
der  Gewissensstimme  in  den  vielen  Individuen  diese  selbst
multiplicirt;  wie  der  Bleicylinder  der  Luft,  so  dient  das  Individuum ­
  dom  Gewissen  als  Sprachrohr.
Versteht  sich,  wenn  das  Individuum  selbst  nichtig  ist,
die  Nichtigkeit  der  von  ihm  (im  Gegensatz  zu  der  Richtigkeit
der  in  ihm  vom  Gewissen)  gefällten  Urtheile  über  ethische
Objecte  von  selbst,  so  hat  der  metaphysische  Individualismus,
            
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