Ueber Hume’s empirische Begründung der Moral.
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deren Urtheile auf gleiche Weise unwiderstehlich seien. Erstere
Annahme widerspricht der Grundvoraussetzung des ethischen
Dogmatismus, letztere verlegt den Widerspruch zweier gleich
unwiderstehlich urtheilender, aber mit einander unverträglicher
Stimmen, deren eine das lobt, was die andere tadelt, in die über
ethische Objecte urtheilende Menschennatur selbst. Während in
jenem Falle eine mit Allgemeingiltigkeit über ethische Objecte
urtheilende Stimme d. i. ein Gewissen überhaupt nicht existirt,
existiren im letzteren Falle deren zwei, deren Aussprüche in
gleicher Weise unwiderstehlich, also mit dem Anspruch auf
Allgemeingiltigkeit ausgerüstet sind, aber sich unter einander
dem Inhalt nach ausschliessen können.
Wenn der naive Dogmatismus die Gleichartigkeit der
über ethische Objecte urtheilenden Natur in allen Menschen
als selbstverständlich voraussetzt, so sucht der rcflectircnde
dieselbe zu erweisen. Der metaphysische Monismus hat dabei
vor dem metaphysischen Individualismus, wie schon oben erwähnt,
den Vorth eil voraus, dass von seinem Standpunkte aus
das wahrhaft Seiende nur Eines, folglich auch im vorliegenden
Falle die über ethische Objecte wahrhaft urtheilende Menschenoder
Geistesnatur in allen urtheilenden Menschen- und Geisterindividuen
die nämliche, nicht blos in allen die gleiche, sondern
substantiell die einzige ist; daher sich deren Gleichartigkeit
in allen und folglich die Gleichartigkeit ihrer Aussprüche bei
allen von selbst ergibt, weil es ja nicht die Individuen sind,
deren jedes auf gleiche, sondern in allen dieselbe Natur es ist,
die in ihnen auf ihre Weise urtheilt. Urtheilende Natur (Gewissen)
und Individuen verhalten sieh in diesem Falle nach
einem von Leibniz gegen Averrhoes und Spinoza angewandten
Gleichniss wie die Luft, die durch die Orgelpfeifen zieht, zu
diesen selbst So wenig durch die Vielheit der Pfeifen die
Luft selbst vervielfältigt, so wenig wird durch das Lautwerden
der Gewissensstimme in den vielen Individuen diese selbst
multiplicirt; wie der Bleicylinder der Luft, so dient das Individuum
dom Gewissen als Sprachrohr.
Versteht sich, wenn das Individuum selbst nichtig ist,
die Nichtigkeit der von ihm (im Gegensatz zu der Richtigkeit
der in ihm vom Gewissen) gefällten Urtheile über ethische
Objecte von selbst, so hat der metaphysische Individualismus,