Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

lieber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

725

des  gleichen  Urtheils  bei  anderen  zu  scldiessen.  Im  letzteren
Falle  muss  das  dem  Inhalte  nach  gleiche  Urtheil  abermals  unwiderstehlich ­
  sein;  daraus  entspringt  die  Berechtigung,  aus  der
in  einem  Falle  als  thatsächlich  erwiesenen  Unwiderstehlichkeit
eines  Urtheils  auf  dessen  Unwiderstehlichkeit  in  jedem  anderen
Falle,  aber  auch  das  liecht,  aus  der  Unwiderstehlichkeit  eines
Urtheils  überhaupt  auf  dessen  Allgemeinheit  d.  i.  auf  dessen
allgemeingiltige  Natur  zu  scldiessen.
Der  Conscquenz  des  ersteren  Falles  sucht  der  naive  Dogmatismus ­
  dadurch  zu  entgehen,  dass  er  zwar  zugibt,  dass  die
Unwiderstehlichkeit  des  Urtheils  nicht  von  dessen  Inhalt  abhängig ­
  sei,  aber  bestreitet,  dass  dieselbe  um  desscnwillen
schlechterdings  zufällig  d.  i.  der  Inhalt  des  Urtheils  für  dieselbe ­
  gleichgiltig  sei.  Wenn  die  Unwiderstehlichkeit  des  Urtheils ­
  nicht  durch  dessen  Inhalt  bedingt  ist,  so  kann  dieselbe
nichtsdestoweniger  durch  den  Urtheilenden  bedingt  d.  i.  die
Natur  dieses  letzteren  kann  so  beschaffen  sein,  dass  sie  gewisse
Urtheile  für  denselben  unwiderstehlich  macht.  Wenn  daher
die  Natur  des  Urtheilenden  die  gleiche  ist,  so  wird  dieselbe
für  ihn  auch  dieselben  Urtheile  unwiderstehlich  machen,  oder
es  wird  aus  der  gleichen  Natur  des  urtheilenden  Subjocts  die
gleiche  Beschaffenheit  der  von  demselben  mit  innerer  Nothwendiglceit
  gefällten  Urtheile  folgen.  Mit  anderen  Worten,
jedes  Urtheil,  welches  aus  der  Natur  des  Urtheilenden  mit  Unwiderstehlichkeit ­
  entspringt,  wird  auch  in  allen,  deren  Natur
der  seinigen  gleich  ist,  mit  gleicher  Unwiderstehlichkeit  sich
wiederholen  d.  i.  es  wird  für  alle  urtheilende  Wesen  derselben
Gattung  das  nämliche  sein.
Für  alle  Wesen  derselben  Gattung  das  nämliche,  eben
darum  aber  auch  für  Wesen  verschiedener  Gattung  ein  verschiedenes. ­
  Das  erstere  bestreitet  der  ethische  Skepticismus
nicht;  das  letztere  widerlegt  obige  Ausführung  des  Dogmatismus ­
  nicht.  Dass  Angehörige  desselben  Volkes  Staates  oder
Zeitalters  über  ethische  Objecte  übereinstimmend  urtheilen,  gibt
der  Skepticismus  zu;  was  er  behauptet,  ist,  dass  Angehörige
verschiedener  Völker  Staaten  und  Zeitalter  über  dieselben
Objecte  verschieden  urtheilen.  Das  Urtheil,  das  aus  der  gleichen
Natur  der  Urtheilenden  mit  Unwiderstehlichkeit  folgt,  werde
allerdings  immer  das  gleiche  sein;  jedoch  die  Natur  der
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.