Ueber Hume’s empirische Begründung der Moral.
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unwiderstehlich gefällte Urtheil ist im Sinn des naiven Dogmatikers
unbedingt, dagegen im Sinn des kritischen Dogmatikers
zwar für das Individuum, von welchem dasselbe mit dem
Gefühle der Unwiderstehlichkeit gefällt wird, unbedingt, für alle
übrigen aber nur bedingt, und zwar im Verhältniss zur Menge
derjenigen, von welchen dasselbe mit dem Gefühle der Unwiderstehlichkeit
übereinstimmend gefällt wird. Daher hat ein Urtheil,
das von tausend Urtheilenden, deren jeder mit dem Gefühle
der Unwiderstehlichkeit urtheilt, übereinstimmend gefällt
wird, höheren Anspruch, als allgemein geltend angesehen zu
werden, als dasselbe Urtheil, wenn es, obgleich mit dem Gefühle
der Unwiderstehlichkeit, nur von zehn Individuen übereinstimmend
gefällt wird. Der naive Dogmatiker betrachtet sein persönliches
Unwiderstehlichkeitsgefühl als genügende Bürgschaft
für die schlecht! linige, der kritische Dogmatiker die Menge der
mit gleicher Unwiderstehlichkeit gefällten, unter sich übereinstimmenden
Urtheile als Bürgschaft für die proportional zu
jener zunehmende Verlässigkeit des Urtheils. Der naive Dogmatiker
bedarf weder, noch begehrt er eine Verification seines
Urtheils durch andere ; der kritische Dogmatiker sicht gerade
in dieser das erfolgreichste Mittel, das persönliche Urtheil zum
allgemeinen zu erweitern. Der naive Dogmatiker lässt sich mit
dem Einzelrichter vergleichen, dessen mit dem persönlichen Gefühl
der Unwiderstehlichkeit ausgesprochenes Urtheil den Anspruch
auf Allgemeingiltigkeit erhebt; der kritische Dogmatiker
dagegen mit einer Jury, deren Verdict im Verhältniss zur Menge
der unter sich übereinstimmenden, von jedem mit dem Gefühle
der Unwiderstehlichkeit gethanen Aussprüche der einzelnen
Mitglieder den Anspruch auf Allgemeingeltung im höheren oder
minderen Grade erwirbt. Während bei ersterem die Unwiderstehlichkeit
(nach Pflicht und Gewissen) zum Wahrspruch genügt,
wird beim letzteren, sei es die Einstimmigkeit, sei es die
Uebereinstimmungs-Majorität der (nach Pflicht und Gewissen)
urtheilenden Richter gefordert.
Während der kritische Dogmatiker durch die Vermehrung
der Verificatiouen positive Instanzen schafft, sucht er zugleich die
negativen zu beseitigen, welche dem Gegner als Stütze dienen.
Wie der Dogmatiker, so setzt der Skeptiker die Unwiderstehlichkeit
des Urtheils für den Urtheilenden voraus, und zwar der