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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Uebor  Ilumo’s  empirische  Begründung  der  Moral.

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Einerlciheit  cler  begehrenden  Natur  des  Menschengeschlechtes
hervor.  Es  ist  weder  richtig,  zu  sagen,  dass  der  Mensch  als
solcher  wissend,  noch,  dass  er  als  solcher  gut  sei;  richtiger
wäre  zu  sagen,  dass,  was  alle  Menschen,  einer  wie  der  andere,
übereinstimmend  denken,  Wissen,  das,  was  alle,  einer  wie  der
andere,  übereinstimmend  begehren,  gut,  dasjenige  Gefühl,  das
in  allen,  dem  einen  wie  dem  anderen,  übereinstimmend  herrscht,
das  richtige  Gefühl  sei.
Dies  ausgemacht,  reducirt  sich  die  Aufgabe  der  Wissenschaft ­
  darauf,  dasjenige,  was  den  Inhalt  der  universellen,  sowohl
der  denkenden  wie  der  fühlenden  und  der  begehrenden  Menschennatur ­
  ausmacht,  zu  constatiren  d.  i.  die  Urtlieile,  welche
von  allen  übereinstimmend  gefällt,  die  Gefühle,  welche  von
allen  übereinstimmend  gehegt,  und  die  Begehrungen,  welche
von  allen  übereinstimmend  getheilt  werden,  zu  eruiren  und
aufzuzählen.  Wie  die  Summe  der  ersten  die  Grundlage  alles
AVissens,  so  bildet  die  Summe  aller  allgemein  menschlichen
Gefühle  den  Inbegriff  der  richtigen  Gemiithsstimmung  und  die
Summe  der  letzteren  den  Inbegriff  lobenswerthen  oder  zum
mindesten  tadellosen  Begehrens  und  Wollens.  Da  nun,  was
von  allem  Wissen  gilt,  auch  von  demjenigen  gelten  muss,
welches  ethischer  Natur  d.  i.  dessen  Gegenstand  das  Gute
ist,  so  folgt,  dass  nur  diejenigen  ethischen  Urtheile  als  verlässig ­
  und  somit  als  Grundlage  ethischer  Wissenschaft  werden
angesehen  werden  dürfen,  welche  schlechterdings  allgemein  sind
d.  i.  solche,  in  welchen  alle  .Menschen  übereinstimmen;  dass
also  gut  im  wissenschaftlichen  Sinne  nur  dasjenige  sei,  welches
nicht  von  Einem  oder  Einigen,  sei  es  auch  noch  so  Vielen,
sondern  schlechterdings  von  Allen  übereinstimmend  dafür  erklärt ­
  wird.
Während  der  ethische  Skeptiker  von  demjenigen,  was
ihm  Thatsache  scheint,  nämlich  dass  nichts  mit  Uebereinstimmung
  von  allen  für  gut  erklärt  werde,  ausgehend,  schliesst,
es  gebe  nichts  Gutes,  also  auch  keine  Wissenschaft  von  solchem,
geht  der  ethische  Dogmatist  umgekehrt  von  demjenigen  aus,
was  ihm  Thatsache  scheint,  nämlich,  dass  es  solches,  welches
von  allen  übereinstimmend  für  gut  erklärt  werde,  wirklich
gebe,  und  schliesst  daraus,  dass  es  ein  Gutes  und  folglich
auch  eine  Wissenschaft  von  diesem  geben  müsse.  Der  Gegen-Sitznngsber.
  d.  pliil.-hist.  CI.  CV.  Bd.  III.  Ilft.  4G  .
            
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