Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

716

Zimmer  mann.

gebe,  welche  nicht  nur  von  «allen  Menschen  gefüllt,  sondern  auch
mit  der  Ueberzeugung  gefällt  werden,  dass  es  wahre  Urtlieile
(Erkenntnisse)  seien;  das  zweite,  wenn  es  sich  zeigen  lässt,
dass  gewisse  Gefühle  sich  übereinstimmend  bei  allen  Menschen
vorfinden;  das  dritte,  wenn  es  unbestritten  ist,  dass  gewisse
Begehrungen  von  allen  Menschen  getheilt  werden.
Ist  dies  aber  erwiesen  ,  und  gibt  es  entweder  eine  allen
Menschen  gemeinsame  Denk-  oder  eine  eben  solche  Gefühls-  oder
eben  solche  Begehrungsweise,  so  sind  diese  aus  eben  dem
Grunde,  weil  sie  Ausdruck  der  universellen,  rein  menschlichen ­
  Menschennatur  sind,  unbedingt  verlässig  d.  i.  als  allgemein ­
  menschliche  Urtheile  allen  anderen  Urtheilen,  als  allgemein
menschliche  Gefühle  allen  anderen  Gefühlen,  als  allgemein
menschliche  Begehrungen  allen  anderen  menschlichen  Begehrungen ­
  schlechterdings  vorzuziehen.  Daher  wird  wirkliche  Erkenntniss
  was  immer  für  eines  Gegenstandes  nur  entweder  in  solchen
Urtheilen  bestehen,  welche  von  allen  Menschen  übereinstimmend
gefällt  werden,  'oder  doch  in  solchen,  welche  aus  Urtheilen  dieser
Art  als  unvermeidliche  Folgerungen  abgeleitet  sind;  das  richtige ­
  Fühlen  wird  nur  in  den  allgemein  menschlichen  Gefühlen
und  das  rechte  Begehren  und  Wollen  nur  in  den  allen  Menschen
gemeinsamen  Begierden  und  Trieben  seinen  Sitz  haben.
Religiöse  und  philosophische,  theoretische  und  praktische
Erkenntniss,  ja  selbst  mathematische  ruhen  von  diesem  Gesichtspunkte ­
  aus  auf  allgemein  menschlichen  d.  i.  auf  solchen  Urtheilen, ­
  welche  von  allen  Menschen  übereinstimmend  gefällt
werden.  Wie  ihre  Allgemeinheit  die  nothwendige  Folge  ihres
Ursprunges  aus  der  allgemein  menschlichen  Natur,  so  ist  umgekehrt ­
  die  Thatsache  der  Uebereinstimmung  aller  in  einem
gewissen  Urtheile  das  Kennzeichen  jenes  Ursprunges.  Jedes
aus  der  allgemein  menschlichen  Denknatur  stammende  Urtkeil
ist  nothwendig  allgemein;  jedes  allgemein  gefällte  Urtheil  stammt
(mehr  als  wahrscheinlich)  aus  der  allgemein  menschlichen  Denknatur. ­
  Das  ist  der  Grund,  warum  dem  consensus  omnium,  der
Uebereinstimmung  aller,  ein  so  grosses  Gewicht  beigemessen,
warum  die  vox  populi  als  vox  Dei  bezeichnet  wird.  Wie  in
dem  gleichlautenden  Urtheil  aller  die  Einerleiheit  der  denkenden, ­
  so  bricht  in  dem  gleichgearteten  Fühlen  aller  die  Einerleiheit ­
  der  fühlenden,  in  dem  gleichgearteten  Begehren  aller  die
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.