Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  Hume’s  empirische  Begründung  der  Moral.

707

moralischen  vom  allgemeinen  Skepticismns  sichtbar  wird.  Wie
die  Behauptung,  dass  der  Mensch  (und  zwar  der  individuelle)
das  Mass  aller  Dinge  sei,  eine  allgemeine  d.  i.  allen  gemeine
Denkweise  überhaupt,  so  macht  sie  auch  eine  solche  über  das,
was  lobens-  oder  tadelnswerth  sei,  wie  durch  das  erstere  ein
Wahres,  so  macht  sie  durch  das  letztere  ein  Gutes  unmöglich.
Während  hier  der  engere  Skepticismus  (der  moralische)  aus
dem  weiteren  (dem  allgemeinen),  so  entspringt  bei  den  Gegnern
der  Sophisten,  Sokrates  und  seiner  Schule,  umgekehrt  der
weitere  Dogmaticismus  (der  allgemeine)  aus  dem  engeren  (dem
ethischen).  Wie  die  Sophisten  vor  allem  von  dem  Unglauben,
dass  etwas,  so  ist  Sokrates  vor  allem  von  dem  Glauben
durchdrungen,  dass  das  Gute  erkennbar  sei.  Wie  dort  der
allgemeine  (philosophische)  Zweifel  den  besonderen  (ethischen),
so  zieht  hier  der  besondere  (ethische)  Glaube  den  allgemeinen
(philosophischen)  nach  sich.  Wenn  überhaupt  jede  Wissenschaft, ­
  so  ist  auch  eine  Ethik  unmöglich;  aber  wenn  erst
eine  Ethik  als  Wissenschaft  möglich  ist,  warum  sollten  nicht
auch  andere  Wissenschaften  (Metaphysik,  Logik),  warum  nicht
Wissenschaft  überhaupt  möglich  sein?  Wie  es  auch  um  die
Berechtigung  des  zuletzt  angeführten  Schlusses  stehen  möge,
für  die  Geschichte  der  Ethik  steht  die  Tliatsache  fest,  dass
auf  die  Leugnung  die  Behauptung  derselben  als  Wissenschaft
gefolgt  ist.  Dieselbe  leidet  dadurch  keine  Beeinträchtigung,
dass  die  Aufgabe  dieser  Wissenschaft,  die  Inhaltsangabe  des
Guten,  innerhalb  dieser  Periode  der  Herrschaft  des  ethischen
Dogmaticismus  in  sehr  verschiedener  Form  gelöst,  das  Was
des  Guten  in  unter  einander  sehr  abweichender  Weise  bestimmt ­
  worden  ist.  Ob  dasselbe  von  Sokrates  mit  dem  Nützlichen ­
  oder  von  den  Hedonikern  mit  dem  Lustbringenden  für
Eins  erklärt,  ob  es  von  Platon  als  Harmonie  der  Gegensätze
oder  von  Aristoteles  als  das  glückselig  Machende  bestimmt,
ob  es  von  den  Stoikern  in  die  Uebereinstimmung  mit  der
Natur  oder  von  den  Epikureern  in  die  Schmerzlosigkeit  oder
von  den  Pyrrhonikern  in  die  Affectlosigkeit  oder  schliesslich
von  den  Neu-Platonikern  in  die  Gottähnlichkeit  gesetzt  werde,
darin,  dass  es  erkennbar  sei,  stimmen  alle  genannten  wie  andere ­
  hier  nicht  genannte  ethische  Schulen  umsomehr  überein,
als  jede  derselben  für  sich  das  Verdienst  in  Anspruch  nimmt,
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.