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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Die  Cliamirspraclie  in  Abessinien.  I.

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dann  in  der  prima  plur.  perfecti  et  futuri  tritt  der  Wurzelvocal
  der  zweiten  Silbe  vor  auslantendes  l,  r,  wie:  bidel-nduk
sie  schädigen,  häter-nduk  sie  rauben,  bidel-nün,  bidel-näk  u.  s.  w.
Zweiradicalige  Stämme,  wie  bar  lassen,  dil  bestimmen  u.  s.  w.
lassen  den  Stamm  unverändert  und  verändert  einfach  die  mit
r  beginnenden  Suffixe  in  d,  wie:  bdr-dauk,  bar-dfnauk  u.  s.  w.
Ueber  die  Verba  mediae  geminata  auf  l,  r,  n  vgl.  §.  120.
119)  Verba  mit  auslautendem  y  verändern  dasselbe  zu  i
vor  consonantischen  Suffixen,  vgl.  von  adiy  theilen:  ädy-äkün,
ady-ün,  aber  adi-rauk  u.  s.  w.  Ebenso  verwandeln  die  auf  w
auslautenden  dasselbe  in  ü,  wie  von  jiluiu  umdrehen  :  ßlw-äkün,
jilw-ün  (und  jilün),  aber:  jilü-rauk  u.  s  w.,  vgl.  §.  116a.  Die
auf  g,  g,  q,  q  auslautenden  Triliterae,  wenn  jenen  Lauten  ein
a  vorangeht,  wie:  iedag  verlassen,  iesaq  senden,  qadaq  schöpfen,
qasaq  züchtigen,  litaq  gewinnen,  folgen  dem  Schema  in  §.  116  b.
120)  Die  Verba  mediae  geminata  werden  wie  zweiradicalige ­
  Stämme  öectirt,  indem  der  zweite  Wurzelvocal  in  den
Hauptzeiten  und  den  meisten  Modis  ausfällt,  dagegen  wird  vor
consonantischen  Sirffixen  und  dem  Verbalstamm  ein  e  eingeschoben; ­
  vgl.  z.  B.  von  qaded  scheiden:  qädd-äkän,  aber  qädderduk
  u.  s.  w.  Dieser  Regel  folgen  auch  die  Stämme  auf  l,  r,  n,
wie  qalel  leicht  sein,  marer  bitter  sein,  Innen  Heimweh  haben,
als:  qäll-äkün,  aber  qälle-rduk  nicht  -dank,  wie  bei  den  Verben
in  §.118.
121)  Das  Chamir  kennt  keine  Objectssuffixe  am  Verb,
welche  im  Billn  eine  so  grosse  Rolle  spielen  (Bilmspr.  §.  76ff.);
statt  dieser  Suffixe  wird  hier  der  Dativ  oder  Accusativ  des
persönlichen  Fürwortes  gesetzt;  z.  B.  an  kü-t  eqanün  ---  Bil.
an  inkalugün-kä  ich  habe  dich  geliebt,  ayir  lind  qürS  yi-cis
ieivii  —  Bil.  y’eger  lanä  qürs  uivugü-la  der  Vater  gab  mir  zwei
Thaler;  vgl.  unten  im  Abschnitt  über  das  Pronomen.  Dass  das
Chamir  die  genannten  Objectssuffixe  einst  ebenfalls  besessen
und  erst  später  dieselben  eingebüsst  habe,  dafür  spricht  wohl
auch  der  Umstand,  dass  die  Agaudialekte  in  den  Landschaften
um  den  Tzanasee  die  genannten  Suffixe  ebenfalls  gleich  dem
Billn  noch  besitzen.
            
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