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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Die  Chamirspvaclie  in  Abessinien.  I.

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sowie  in  den  Füllen,  in  denen  u  nach  Ausfall  eines  w-haltigen
Gutturals  übrig  geblieben  ist.  Bindu  schrieb  mir  zwar  von  waz
hören,  das  Perfect  also  auf:  (Bil.  s)  ich  hörte,
(Bil.  <pftcTr-0  du  hörtest,  »PiP-:  (Bil.  ! )  ei'
hörte  u.  s.  w.,  demnach  waz-ün  (nicht  iväz-ün,  §.  9  d),  waz-r-ü,
waz-ü,  er  sprach  aber  diese  Formen  ganz  deutlich:  waz-ün,
waz-r-ü,  waz-ü;  ebenso,  kurz  und  betont,  wurde  die  Perfectendung
  von  Birru  aus  Soqota  gesprochen,  er  schrieb  aber  auch
dieselbe  genau  so  wde  Bindu  aus  dem  Wag.  Ebenso  schrieb
Birru:  isj>  ich  trug,  sprach  es  aber:  mutün  (d.  i.  mü-t-ün
=  Bil  ■  9 n ‘l i ''C.'Yv-'} :  muqu-r-gün),  desgleichen  (]•/,.:  (Bil.  :
buqrä)  Mehlgrütze,  sprach  es  aber  deutlich  :  burä  mit  kurzem  u.
Bedenkt  man  nun,  dass  in  der  äthiopischen  Schrift  keine  Möglichkeit ­
  geboten  ist,  kurzes  u  (ausser  nach  Iv-Lauten  und
mittelst  fl)-,  aber  dieses  letztere  nur  im  Anlaut)  graphisch  auf
andere  Art  als  durch  die  Länge  des  u  darzustellen,  so  scheint
es  sicher  sehr  wahrscheinlich,  dass  das  Chamir  in  den  genannten ­
  Perfectendungen  nicht  ü,  sondern  nur  u  besitzt;  demgemäss
umschreibe  ich  dieselben  mit  u  (nicht  ft).
27)  Langes  ü  in  den  genannten  Perfectendungen  vernahm
ich  nur  in  Wurzeln  mit  schliessendem  iv,  wie  von  hasuw  lügen,
Perf.  haSün  (neben  hasw-ün)  ich  log  u.  s.  w.,  ferner  bei  Verben
mit  schliessendem  w-haltigen  Guttural,  z.  B.  von  Jcü  sein,  Perf.
kün  (aus  ltü-ün)  ich  war,  kü  (aus  kü-u)  er  war,  aber  kü-r-ü
du  warst.
28)  Langes  ft  entspricht  auch  früherem  5,  6,  aü,  wie:  yü
=  Bil.  yaü  und  yo  Hüfte;  1  sinü  =  Bil.  sanö,  A.  {\tj‘:  (doch
G.  rtv-ji  0  Montag;  züra  (Bil.  züra,  aus  zot,  zaüt,  vgl.  §.  43e)
=  G.,  Ti.  jW/p’l"  -■  Aehre;  edn  =  G.  aus  :  Schuld;
hamüt  —  :  Galle;  tabüt  —  Bundeslade.
29)  Lexikalisch  steht  ü  ziemlich  häufig  einem  ü  venvandter
  Idiome  gegenüber,  wie:  qalicnä  -■=  Bil.  kagalünä^EÄ,  telüsä
=■  Bil.  tälqüsä,  talqüüsä  ficus  lutea,  wie  in  den  Lehnwörtern:
büdä  Wehrwolf,  bün  Kaffee,  bavüd  Pulver,  mafüdä  Geldbörse,
nugitz  König  u.  s.  w.

1  Umgekehrt  stellt  Billn  ü  =  Cham.  6,  aü  in:  üsari  —  Cham,  osray,  osre
weiblich;  sük  —  Cham,  zdq  und  zaüq  schlachten;  zmoä  und  verkürzt
zuwü  —  Cham,  zöwä  Regen;  masü  —  G.  Frühling.
            
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