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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

57  G

Reiniscli.

Hinsicht  seine  ursprünglichen  Formen  zu  erhalten  gewusst,  während ­
  das  Chamir  derartige  Abschwächungen  erfahren  hat,  dass
ohne  Kenntniss  des  Billn  es  unmöglich  sein  würde,  die  grammatischen ­
  Formen  und  den  grössten  Theil  seines  Wortschatzes
zu  erklären;  doch  hat  andererseits,  wenn  auch  nur  in  einigen
wenigen  Fällen,  auch  das  Chamir  gegenüber  dem  Billn  ältere
Formen  bewahrt,  so  in  der  Bildung  des  Futurums,  im  Relativ
der  dritten  Person  pluralis  u.  s.  w.  Da  im  Chamir  besonders
in  der  Lautgeschichte  so  bedeutende  Veränderungen  gegenüber
dem  Billn  zu  verzeichnen  sind,  so  glaubte  ich  auch  dieser
sprachlichen  Seite  des  Chamir  so  vollständig  als  möglich  Rechnung ­
  tragen  zu  sollen.  Ueber  die  linguistische  Stellung  des
Agau  innerhalb  der  chamitischen  Sprachen  vgl.  R.  N.  Cust,  The
modern  languages  of  Africa.  London,  1883.  1,  131.
Lautlehre.
1)  Die  Sprachlaute.
1)  Die  Chamir  bedienen  sich  der  äthiopischen  Schriftzeichen, ­
  und  zwar  ist  die  Kenntniss  des  Lesens  und  Schreibens,
wie  mir  versichert  wurde,  ziemlich  weit  im  Volke  verbreitet;
diejenigen  Chamir,  mit  denen  ich  zufällig  in  persönlichen  Verkehr ­
  kam,  waren  alle  schriftkundig.  Wenn  ich  mich  im  Folgenden ­
  der  lateinischen  Umschrift  statt  der  äthiopischen  Lettern
bediene,  so  bedarf  dieses  Vorgehen  meines  Erachtens  wohl
keiner  Entschuldigung;  ich  thue  dieses,  abgesehen  von  allgemein ­
  sprachwissenschaftlichen  Gründen,  hauptsächlich  aus  der
gewichtigen  Ursache,  um  gewissen  Uebelständen,  welche  mit
der  äthiopischen  Schrift  verbunden  sind,  auszuweichen  und  die
Phonetik  der  einzelnen  Schriftzeichen,  die  verschiedenen  Nuancen ­
  der  Vocale,  Verdoppelung  der  Consonanten  u.  s.  w.  präciser
zum  Ausdrucke  bringen  zu  können,  als  dies  bei  Anwendung
der  äthiopischen  Lettern  möglich  wäre.
2)  Im  Lautbesitz  steht  das  Chamir  ziemlich  auf  der
gleichen  Stufe  mit  dem  Billn,  nur  fehlt  jenem  das  Ain  und
das  Hamza,  welche  beide  Laute  im  Billn  noch  vorhanden  sind.
Dagegen  besitzt  das  Chamir  noch  t,  s,  z,  welche  im  BilTn  meist
in  c  und  5  Ubergegangen  sind.  Ferner  hat  dasselbe  zwei  Quetsch-
            
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