Die Cliamirspraclie in Abessinien. I.
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auch /ämirä (gen. plur., seil, /ämir-ä gab Sprache der Agau),
Beke schreibt Hhdmara, d. i. /ämarä. 1 A. d’Abbadie bezeichnet
diese Sprache mit dem Namen Kamtönga' 1 und Kamtiga, 3
welchen Ausdruck ich zwar selbst nie gehört habe, an dessen
Richtigkeit zu zweifeln aber kein Grund vorliegt; derselbe bemerkt
zugleich, dass im Awga (Agau von Damot) tiga Zunge,
Sprache bedeute, demnach Kamtiga — langue de Kam. Vielleicht
hängt mit diesem kam der Name der Kamant zusammen,
eines Agaustammes in der Umgegend von Gondar. 4 Ebenso
unbekannt ist die Herkunft des Namens Agau womit
die Amharer und Tigray sämmtlieke Agaustämme bezeichnen;
die Erklärung dieses Namens bei Bruce = Ag-oha, ,shepherds
of the River' ist eine durchaus haltlose Conjectur, da bis jetzt
nicht einmal festzustellen ist, ob das Wort dem semitischen
oder dem chamitischen Wortschätze einzureihen sei.
Wie in meiner Billnsprache bereits nachgewiesen worden
ist, hat sich vor etwa 300 Jahren vom Chamir das Billn abgezweigt,
doch sind seit jener Zeit beide Idiome so weit auseinander
gegangen, dass sich heute Chamir und Billn fast gar
nicht mehr verständigen können. Im Allgemeinen hat zwar
fast durehgehends das Billn in grammatischer wie phonetischer
1 ,The Hhdmara is spoken ämong tlie Agaus of Waag’, the northern portion
of Lasta, the Tcheratz-Agows of Bruce 4 (Proceedings of the philol. Society,
vol. VII, 90, London, 1846). Analog dem ycimiv die Agau und die Agausprache,
ist die Bildung im Billn: Bilinä ein Bogos, plur. Bilin die Bogos
und die Bogossprache, nur selten Bilin gab Sprache der Bogos, gesagt.
2 Journal asiat. 1841, XI, 388.
3 Actes de la Soc. philol. I, 67.
4 Im Amhar. ‘b"7Vf-: genannt, vgl. Massaja, Lection. grammat. pag. 398,
nota 5. Kam-ant ist wohl nom. agent. vom Stamme kam (vgl. unten
§. 178 und Billnsprache §. 122; auch in der Sprache von Quara,
Dembea und Agaumeder bildet -antä plur. -anti nomina agentis, vgl.
M. Flad, A short description of the Falasha and Kamants. Basle, 1866.
— J. Halevy, Essai sur la langue Agau. Paris, 1873. — Th. Waldmeier,
Wörtersammlung aus der Agausprache. Basel, 1868). Aller Wahrscheinlichkeit
nach ist kam identisch mit dem Worte kern und kirn,
welches im Billn, wie in der Quarasprache besitzen, spec. Vieh besitzen,
daher mächtig, reich sein bedeutet, woher nom. agent.
kim-dnta ein angesehener Mann (der viel Vieh besitzt), und subst. kirn
Vieh, Besitz, Habe. Die Erklärung Stern’s: kamant = kam-ant ,tlie
saine as thou 4 bedarf keiner ernsten Besprechung.
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. CV. Bd. II. Hft. 37