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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Die  Cliamirspraclie  in  Abessinien.  I.

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auch  /ämirä  (gen.  plur.,  seil,  /ämir-ä  gab  Sprache  der  Agau),
Beke  schreibt  Hhdmara,  d.  i.  /ämarä. 1  A.  d’Abbadie  bezeichnet ­
  diese  Sprache  mit  dem  Namen  Kamtönga' 1  und  Kamtiga, 3
welchen  Ausdruck  ich  zwar  selbst  nie  gehört  habe,  an  dessen
Richtigkeit  zu  zweifeln  aber  kein  Grund  vorliegt;  derselbe  bemerkt ­
  zugleich,  dass  im  Awga  (Agau  von  Damot)  tiga  Zunge,
Sprache  bedeute,  demnach  Kamtiga  —  langue  de  Kam.  Vielleicht ­
  hängt  mit  diesem  kam  der  Name  der  Kamant  zusammen,
eines  Agaustammes  in  der  Umgegend  von  Gondar. 4  Ebenso
unbekannt  ist  die  Herkunft  des  Namens  Agau  womit
die  Amharer  und  Tigray  sämmtlieke  Agaustämme  bezeichnen;
die  Erklärung  dieses  Namens  bei  Bruce  =  Ag-oha,  ,shepherds
of  the  River'  ist  eine  durchaus  haltlose  Conjectur,  da  bis  jetzt
nicht  einmal  festzustellen  ist,  ob  das  Wort  dem  semitischen
oder  dem  chamitischen  Wortschätze  einzureihen  sei.
Wie  in  meiner  Billnsprache  bereits  nachgewiesen  worden
ist,  hat  sich  vor  etwa  300  Jahren  vom  Chamir  das  Billn  abgezweigt, ­
  doch  sind  seit  jener  Zeit  beide  Idiome  so  weit  auseinander ­
  gegangen,  dass  sich  heute  Chamir  und  Billn  fast  gar
nicht  mehr  verständigen  können.  Im  Allgemeinen  hat  zwar
fast  durehgehends  das  Billn  in  grammatischer  wie  phonetischer
1  ,The  Hhdmara  is  spoken  ämong  tlie  Agaus  of  Waag’,  the  northern  portion
of  Lasta,  the  Tcheratz-Agows  of  Bruce 4  (Proceedings  of  the  philol.  Society,
vol.  VII,  90,  London,  1846).  Analog  dem  ycimiv  die  Agau  und  die  Agausprache,
  ist  die  Bildung  im  Billn:  Bilinä  ein  Bogos,  plur.  Bilin  die  Bogos
und  die  Bogossprache,  nur  selten  Bilin  gab  Sprache  der  Bogos,  gesagt.
2  Journal  asiat.  1841,  XI,  388.
3  Actes  de  la  Soc.  philol.  I,  67.
4  Im  Amhar.  ‘b"7Vf-:  genannt,  vgl.  Massaja,  Lection.  grammat.  pag.  398,
nota  5.  Kam-ant  ist  wohl  nom.  agent.  vom  Stamme  kam  (vgl.  unten
§.  178  und  Billnsprache  §.  122;  auch  in  der  Sprache  von  Quara,
Dembea  und  Agaumeder  bildet  -antä  plur.  -anti  nomina  agentis,  vgl.
M.  Flad,  A  short  description  of  the  Falasha  and  Kamants.  Basle,  1866.
—  J.  Halevy,  Essai  sur  la  langue  Agau.  Paris,  1873.  —  Th.  Waldmeier, ­
  Wörtersammlung  aus  der  Agausprache.  Basel,  1868).  Aller  Wahrscheinlichkeit ­
  nach  ist  kam  identisch  mit  dem  Worte  kern  und  kirn,
welches  im  Billn,  wie  in  der  Quarasprache  besitzen,  spec.  Vieh  besitzen, ­
  daher  mächtig,  reich  sein  bedeutet,  woher  nom.  agent.
kim-dnta  ein  angesehener  Mann  (der  viel  Vieh  besitzt),  und  subst.  kirn
Vieh,  Besitz,  Habe.  Die  Erklärung  Stern’s:  kamant  =  kam-ant  ,tlie
saine  as  thou 4  bedarf  keiner  ernsten  Besprechung.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  CV.  Bd.  II.  Hft.  37
            
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