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Reiniscli.
sinien eröffneten Krieges waren nämlich von aller Herren Länder
zahlreiche Flüchtlinge nach Massaua eingeströmt, die ich nun
zu meinen linguistischen Zwecken auszubeuten mich anschickte.
Die grössten Dienste in meinen Bestrebungen leistete mir ein
Amharer aus Sernien, Namens Wulda-Zelässie, dessen Bekanntschaft
ich zufällig unmittelbar nach meiner Ankunft in Massaua
gemacht hatte. Wälcla-Zeldssie hatte in Gondar studirt und den
Grad eines dabtarä erlangt und besass eine ziemliche grammatische
Schulung, auch war er der deutschen und englischen
Sprache in Wort und Schrift mächtig und konnte mir sonach
die besten Dolmetscherdienste leisten. Durch ihn lernte ich
Anfangs December einen jungen Agau aus Soqota in Lasta,
Namens Birru kennen, der mit der Handelskarawane aus Abessinien
gekommen und nun in Folge des ausgebrochenen Krieges
genöthigt war, in Massaua auszuharren. Birru war auch des
Amharischen in Wort und Schrift vollkommen mächtig und
hatte ebenfalls in Gondar einige Zeit studirt. Er besass ein
ausreichendes Geschick, grammatische Fragen aufzufassen, so
dass es mir in Zeit von vier Wochen, während welcher er mit
mir täglich ein bis zwei Stunden arbeitete, so ziemlich gelang,
in den grammatischen Bau des Agau von Lasta einzudringen.
Durch Birru lernte ich auch andere Agau aus der Provinz
Wag kennen, aus deren Umgang ich mir bald die Ueberzeugung
verschaffen konnte, dass der Dialekt von Wag mit dem
von Lasta grammatisch vollkommen übereinstimmt und nur in
phonetischer Hinsicht hie und da kleine Abweichungen zeigt.
Leider reiste Birru mit seinen Gefährten ab, als wir eben
daran gehen wollten, einige Texte der Agausprache zusammenzutragen.
Erst auf meiner zweiten Iieise in Nordost-Afrika
fand ich Gelegenheit, diese Lücke etwas auszufüllen, indem
ich zu Keren im Bogos im Jahre 1880 einen Mönch aus dem
Wag kennen lernte, der mir einige wenige Texte seiner Mundart
dictirte, die ich im Anhänge zu dieser Arbeit mittheilen
werde.
Die Agau von Lasta und Wag nennen sich selbst Chamir 1
und ihre Sprache yamir gab, auch nur kurzweg yattvir oder
1 yumerä ein Agaumann, plur. yamir und yamit (letzteres eine archaistische
Pluralform) die Agau, von einem Stamm yam, dessen Bedeutung
mir unbekannt ist; vgl. Note 4 auf nächster Seite.