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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Reiniscli.

sinien  eröffneten  Krieges  waren  nämlich  von  aller  Herren  Länder
zahlreiche  Flüchtlinge  nach  Massaua  eingeströmt,  die  ich  nun
zu  meinen  linguistischen  Zwecken  auszubeuten  mich  anschickte.
Die  grössten  Dienste  in  meinen  Bestrebungen  leistete  mir  ein
Amharer  aus  Sernien,  Namens  Wulda-Zelässie,  dessen  Bekanntschaft ­
  ich  zufällig  unmittelbar  nach  meiner  Ankunft  in  Massaua
gemacht  hatte.  Wälcla-Zeldssie  hatte  in  Gondar  studirt  und  den
Grad  eines  dabtarä  erlangt  und  besass  eine  ziemliche  grammatische ­
  Schulung,  auch  war  er  der  deutschen  und  englischen
Sprache  in  Wort  und  Schrift  mächtig  und  konnte  mir  sonach
die  besten  Dolmetscherdienste  leisten.  Durch  ihn  lernte  ich
Anfangs  December  einen  jungen  Agau  aus  Soqota  in  Lasta,
Namens  Birru  kennen,  der  mit  der  Handelskarawane  aus  Abessinien ­
  gekommen  und  nun  in  Folge  des  ausgebrochenen  Krieges
genöthigt  war,  in  Massaua  auszuharren.  Birru  war  auch  des
Amharischen  in  Wort  und  Schrift  vollkommen  mächtig  und
hatte  ebenfalls  in  Gondar  einige  Zeit  studirt.  Er  besass  ein
ausreichendes  Geschick,  grammatische  Fragen  aufzufassen,  so
dass  es  mir  in  Zeit  von  vier  Wochen,  während  welcher  er  mit
mir  täglich  ein  bis  zwei  Stunden  arbeitete,  so  ziemlich  gelang,
in  den  grammatischen  Bau  des  Agau  von  Lasta  einzudringen.
Durch  Birru  lernte  ich  auch  andere  Agau  aus  der  Provinz
Wag  kennen,  aus  deren  Umgang  ich  mir  bald  die  Ueberzeugung
  verschaffen  konnte,  dass  der  Dialekt  von  Wag  mit  dem
von  Lasta  grammatisch  vollkommen  übereinstimmt  und  nur  in
phonetischer  Hinsicht  hie  und  da  kleine  Abweichungen  zeigt.
Leider  reiste  Birru  mit  seinen  Gefährten  ab,  als  wir  eben
daran  gehen  wollten,  einige  Texte  der  Agausprache  zusammenzutragen. ­
  Erst  auf  meiner  zweiten  Iieise  in  Nordost-Afrika
fand  ich  Gelegenheit,  diese  Lücke  etwas  auszufüllen,  indem
ich  zu  Keren  im  Bogos  im  Jahre  1880  einen  Mönch  aus  dem
Wag  kennen  lernte,  der  mir  einige  wenige  Texte  seiner  Mundart ­
  dictirte,  die  ich  im  Anhänge  zu  dieser  Arbeit  mittheilen
werde.
Die  Agau  von  Lasta  und  Wag  nennen  sich  selbst  Chamir 1
und  ihre  Sprache  yamir  gab,  auch  nur  kurzweg  yattvir  oder
1  yumerä  ein  Agaumann,  plur.  yamir  und  yamit  (letzteres  eine  archaistische ­
  Pluralform)  die  Agau,  von  einem  Stamm  yam,  dessen  Bedeutung
mir  unbekannt  ist;  vgl.  Note  4  auf  nächster  Seite.
            
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