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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

lieber  eine  Handschrift  des  Passionais  und  Buches  der  Märtyrer.

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Andere  Male  findet  falsche  Beziehung  von  Worten  und
Sätzen  statt,  die  eine  der  jeweiligen  Auffassung  entsprechende
Aenderung  mit  sich  brachte.  Der  Schreiber  kümmerte  sich
eben  häufig  nicht  um  den  Wortlaut  und  Inhalt  der  nachfolgenden ­
  Verse,  sondern  richtete  seine  Aufmerksamkeit  nur  auf
die  Zeile,  welche  er  gerade  unter  der  Feder  hatte.  Darum  hat
mancher  Satz  auch  zwei  Subjecte  oder  zwei  Prädicate,  wenn
der  Unsinn  nicht  noch  weiter  geht.
Er  nahm  es  auch  sonst  mit  der  treuen  Wiedergabe  des
Textes  nicht  genau,  änderte  Satz-  und  Wortconstructionen,  liess
Worte  aus,  schob  andere  ein,  gebrauchte  abweichende  Ausdrücke ­
  und  was  dergleichen  Freiheiten  mehr  sind.  In  vielen
Fällen  war  sein  Zweck  offenbar  nur  der,  die  poetische  Diction
durch  die  gewöhnliche  Redeweise  zu  ersetzen,  um  dadurch  dem
Leser  das  Verständniss  zu  erleichtern,  oder  er  liess  sich  von
dem  angewöhnten  Styl  und  der  ihm  geläufigen  Ausdrucksart
leiten.  Aber  es  darf  auch  nicht  übersehen  werden,  dass
gar  Manches  dem  Sprachgebrauche  seiner  Zeit  und  Gegend
fremd  war  und  aus  diesem  Grunde  geändert  wurde.  So  lässt
sich  aus  der  Betrachtung  des  sonst  unnützen  Variantenapparates
immerhin  für  die  Sprachgeschichte  etwas  lernen.  Allerdings
ist  in  vielen  Fällen  die  Provenienz  der  Hss.  nicht  genau  festzustellen, ­
  und  da,  wo  Mittelglieder  fehlen,  bleibt  auch  die
Erkenntniss  des  Abhängigkeitsverhältnisses  verschlossen.  So
können  wir  auch  nicht  sagen,  bis  zu  welchem  Umfange  die
Aenderungen  in  der  Hs.  B  von  deren  Schreiber  herrühren,
und  dadurch  wird  der  wissenschaftliche  Werth  solcher  Beobachtungen ­
  wohl  geschmälert,  aber  nicht  aufgehoben.
Es  würde  zu  weit  führen,  wenn  ich  die  Ergebnisse  meiner
Textvergleichung  hier  vollständig  mittheilen  wollte;  darum
kann  im  Folgenden  nur  eine  Auswahl  geboten  werden,  und  zwar
stelle  ich  an  die  Spitze  jene  Worte  und  Ausdrücke,  welche
durchwegs  oder  grösscrentheils  durch  andere  ersetzt  sind  oder
doch  eine  Umwandlung  erfahren  haben.  Dazu  gehören:
albetallen  97,  57:  dafür  all  mit  allen,
antlitze  nur  im  Reim  33,  9.  42,  62.  112,  54.  194,  82:  sonst
antlutz.
antwerten  39,  30:  dafür  antwurten.
arzedie:  immer  artznei,  ertznei.
            
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