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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

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Krall.

den  ersten  Blick  einleuchtend,  dass  Pharao  etwas  Ungewöhnliches ­
  will.  In  der  Pianchi  Stele  1  lesen  wir,  dass  König  Pianchi
in  Heliopolis  angelangt  die  Treppe  nach  dem  grossen  Schaufenster ­
  hinaufstieg,  um  zu  schauen  den  Gott  Rä  im  Hause  des
Spitzwürfels  ....  ,Er  löste  die  Riegel  und  schaute  seinen  Vater
Rä  in  dem  hohen  Hause  des  Spitzwürfels  und  die  Morgenbarke
des  Rä  und  die  Abendbarke  des  Tumh  Ein  ähnlicher  Vorgang
liegt  bei  dem  von  Manetho  Amenophis  genannten  Könige  nicht
vor.  Hier  handelt  es  sich  um  mehr.  Was  Pianchi  thut  ist
ein  frommes  Werk,  was  Amenophis  vornimmt  ist  geeignet,
den  Zorn  (/oXov)  der  Götter  hervorzurufen.  Amenophis  lässt
ja,  um  zu  seinem  Ziele  zu  gelangen,  ganz  Aegypten  von  den
Aussätzigen  und  Unreinen  säubern,  man  sollte  doch  denken,
dass  diese  That  geeignet  gewesen  wäre,  ihm  die  Gunst  der
Götter  zu  sichern.  Statt  dessen  trifft  als  Strafe  für  das  Vorgehen ­
  dreizehnjähriges  Unheil  —  es  ist  wohl  das  erste  Mal,  dass
die  Zahl  dreizehn  als  Ungltickszahl  sich  nachweisen  lässt  —
König  und  Land.  Der  weise  Amenophis  giebt  sich  selbst  im
Bewusstsein  seiner  Schuld  den  Tod.  Den  Grund  des  Zornes
der  Götter  giebt  Manetho  selbst  an:  si  ßiaaQevxe?  oipÖ^GOvxai.  Die
gewaltsamen  Mittel,  durch  deren  Anwendung  es  Amenophis
gelingt,  die  Götter  gegen  ihren  Willen  zu  schauen,  sind,  wie
sich  leicht  zeigen  lässt,  böse  Zauberkünste.  Nicht  umsonst
wird  der  Seher  Amenophis  als  \m'my.bq  üvjp  bezeichnet.
Die  alten  Aegypter  waren  fest  überzeugt,  dass  durch  Anwendung ­
  von  Magie  Alles  sich  erreichen  liess,  was  nur  des
Menschen  Sinn  begehren  konnte.  Die  Rollen,  in  denen  die
Zauberformeln  zu  lesen  waren,  lagen,  das  wusste  man,  wohlverwahrt ­
  im  Hause  Pharao’s.  Todesstrafe  traf  aber  denjenigen,
der  es  wagte,  sich  in  ihren  Besitz  zu  setzen  und  sie  zur  Anwendung ­
  zu  bringen.  Plieratische  Rollen  melden  uns  von  einem
gewissen  Penhuiban,  der  überwiesen  wurde,  aus  dem  Palaste
Ramses  II.  Schriften  magischen  Inhaltes  entwendet  und  auf
Grund  derselben  Wachsmännchen  und  Liebesmittel  verfertigt
zu  haben. 2  Er  musste  sich  selbst  tödten.  War  der  Selbstmord
die  Todesart,  zu  der  man  die  Zauberer  zwang,  so  liegt  es  nahe,

1  Z.  103  und  104.
2  Vgl.  Revillout,  Revue  egypt.  I,  163:  Les  arts  egyptiens.
            
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