Studien zur Geschichte des alten Aegypten, II,
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in unserem Sinne zu gelten. 1 Es hat lange gedauert in der
Geschichte der Menschheit bis die Vorbedingungen dessen,
was wir historischen Sinn nennen, vorhanden waren. Es ist
daher müssig darüber zu streiten, oh die Aegypter historischen
Sinn gehabt haben oder nicht. Von Fernstehenden wird
ihnen ein solcher bald abgesprochen, bald mit grosser Emphase
zugesprochen. Der Vater der Geschichte ist und bleibt für
alle Zeiten Herodot. Bei den Griechen ist der erste Historiker
Aegyptens, Manetho, in die Schule gegangen.
Wir stehen den manethonischen Fragmenten jetzt anders
gegenüber, als es vor einem Decennium der Fall sein konnte,
dadurch, dass wir über die Quellen, welche Manetho zur Verfügung
standen, uns Rechenschaft abzulegen im Stande sind.
Neben Aufzeichnungen annalistischer Art war Manetho auf die
halbhistorischen Ueberlieferungen, welche uns in den früher
als historisch angesehenen Papyrus vorliegen, angewiesen. Zur
Ausfüllung der ersteren mussten ihm die letzteren besonders
wünschenswerth erscheinen. Gerade die Monumente, aus denen
wir unsere vorzüglichste Kunde ägyptischer Vergangenheit
schöpfen, die hieroglyphischen, vorwiegend den Gräbern entnommenen
Texte standen Manetho nur in sehr geringem Masse
zur Verfügung. Texte dagegen nach Art derjenigen, welche
die sogenannte demotische Chronik 2 enthält, wo in Form von
Prophezeiungen die Geschicke Aegyptens entworfen und die
Begebenheiten zu bestimmten Zwecken bis zur Unkenntlichkeit
verzerrt wurden, mussten ihm in grosser Menge vorliegen.
Der Verlust der manethonischen Aiyuxtio:/A ist nicht blos für
die Geschichte Aegyptens ein unersetzlicher, er ist es auch für
die historische Kritik. Es wäre gerade jetzt, wo die Monumente
uns erschlossen sind, von grösster Wichtigkeit, untersuchen zu
können, wie einem geborenen Aegypter, der zugleich griechischer
1 Vgl. besonders die Einleitung Maspero’s zu den Contes populaires de
l’ancienne Egypte.
2 Vgl. die Auszüge aus derselben bei Eevillout, Revue 6gypt. 1,49: ,Le
roi Amasis et les mercenaires,“ II, 1: ,Les proph^ties patriotiques 1 II, 52:
,Donn6es historiques sur les 28“, 29 e et 30 e dynasties 1 und seinen ersten
Aufsatz: ,Une chronique egyptienne contemporaine de Manethona Diese
,Chronique‘ ist wenig geeignet uns Vertrauen für die Quellen, welche
Manetho zur Verfügung stehen konnten, einzuflössen.