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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Studien  zur  Geschichte  des  alten  Aegypten,  II,

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in  unserem  Sinne  zu  gelten. 1  Es  hat  lange  gedauert  in  der
Geschichte  der  Menschheit  bis  die  Vorbedingungen  dessen,
was  wir  historischen  Sinn  nennen,  vorhanden  waren.  Es  ist
daher  müssig  darüber  zu  streiten,  oh  die  Aegypter  historischen
Sinn  gehabt  haben  oder  nicht.  Von  Fernstehenden  wird
ihnen  ein  solcher  bald  abgesprochen,  bald  mit  grosser  Emphase
zugesprochen.  Der  Vater  der  Geschichte  ist  und  bleibt  für
alle  Zeiten  Herodot.  Bei  den  Griechen  ist  der  erste  Historiker
Aegyptens,  Manetho,  in  die  Schule  gegangen.
Wir  stehen  den  manethonischen  Fragmenten  jetzt  anders
gegenüber,  als  es  vor  einem  Decennium  der  Fall  sein  konnte,
dadurch,  dass  wir  über  die  Quellen,  welche  Manetho  zur  Verfügung ­
  standen,  uns  Rechenschaft  abzulegen  im  Stande  sind.
Neben  Aufzeichnungen  annalistischer  Art  war  Manetho  auf  die
halbhistorischen  Ueberlieferungen,  welche  uns  in  den  früher
als  historisch  angesehenen  Papyrus  vorliegen,  angewiesen.  Zur
Ausfüllung  der  ersteren  mussten  ihm  die  letzteren  besonders
wünschenswerth  erscheinen.  Gerade  die  Monumente,  aus  denen
wir  unsere  vorzüglichste  Kunde  ägyptischer  Vergangenheit
schöpfen,  die  hieroglyphischen,  vorwiegend  den  Gräbern  entnommenen ­
  Texte  standen  Manetho  nur  in  sehr  geringem  Masse
zur  Verfügung.  Texte  dagegen  nach  Art  derjenigen,  welche
die  sogenannte  demotische  Chronik 2  enthält,  wo  in  Form  von
Prophezeiungen  die  Geschicke  Aegyptens  entworfen  und  die
Begebenheiten  zu  bestimmten  Zwecken  bis  zur  Unkenntlichkeit
verzerrt  wurden,  mussten  ihm  in  grosser  Menge  vorliegen.
Der  Verlust  der  manethonischen  Aiyuxtio:/A  ist  nicht  blos  für
die  Geschichte  Aegyptens  ein  unersetzlicher,  er  ist  es  auch  für
die  historische  Kritik.  Es  wäre  gerade  jetzt,  wo  die  Monumente
uns  erschlossen  sind,  von  grösster  Wichtigkeit,  untersuchen  zu
können,  wie  einem  geborenen  Aegypter,  der  zugleich  griechischer

1  Vgl.  besonders  die  Einleitung  Maspero’s  zu  den  Contes  populaires  de
l’ancienne  Egypte.
2  Vgl.  die  Auszüge  aus  derselben  bei  Eevillout,  Revue  6gypt.  1,49:  ,Le
roi  Amasis  et  les  mercenaires,“  II,  1:  ,Les  proph^ties  patriotiques 1  II,  52:
,Donn6es  historiques  sur  les  28“,  29 e  et  30 e  dynasties 1  und  seinen  ersten
Aufsatz:  ,Une  chronique  egyptienne  contemporaine  de  Manethona  Diese
,Chronique‘  ist  wenig  geeignet  uns  Vertrauen  für  die  Quellen,  welche
Manetho  zur  Verfügung  stehen  konnten,  einzuflössen.
            
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