Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

370

Krall.

und  Hermias  genöthigt  wurden,  vor  einer  in  Oberägypten
ausbrecbenden  Empörung  gegen  das  griechische  Regiment  zu
weichen.  In  einem  solchen  Falle  müsste  man  erstens  einen
anderen  Ausdruck  statt  jp.e0?jX8ai‘  erwarten,  ferner  eine  andere
Wendung  statt  .iJ.sO’Aspiov  cTpatuoTÜv 4 ,  denn  der  nationale  Hass
musste  alle  Griechen  und  nicht  blos  die  etspoi  a-cpatcm-t«  treffen.
Endlich  bliebe  es  unverständlich,  warum  Hermias  sich  in  die
a'vco  tctoi  und  nicht  nach  Norden  gezogen  haben  sollte.  Man  sieht,
die  Gefahr  kommt  nicht  aus  Oberägypten,  sie  kommt  aus  dem
Süden,  nicht  aus  Theben  weicht  des  Hermias  Vater  vor  den
aufständischen  Oberägyptern,  sondern  er  zieht  von  Theben  mit
anderen  Soldaten,  also  mit  einem  Theile  der  in  und  um  Theben
lagernden  Truppen  nach  dem  Süden  aus.  Es  handelt  sich
nicht  um  eine  Empörung  in  Theben,  die  ohne  anderen  Rückhalt ­
  so  lange  nicht  hätte  anhalten  können,  sondern  um  ein
Vordringen  der  äthiopischen  Macht,  welche  einige  Decennien
vorher  unter  Ergamenes,  dem  Zeitgenossen  des  Ptolemaios
Philadelphos,  innerlich  erstarkt  und  zu  einem  Vorstosse  nach
dem  Norden,  ähnlich  demjenigen,  den  vor  etwa  fünf  Jahrhunderten ­
  Pianchi  unternommen  hatte,  befähigt  war.  Dass  der
Versuch,  die  Aethiopen  zurückzudrängen,  an  dem  sich  auch
Hermias’  Vater  betheiligte,  misslang,  dass  die  Aethiopen  in
Theben  sich  festsetzen  konnten,  lehren  die  dort  ausgefertigten
Contracte  mit  den  äthiopischen  Königsnamen.  Dass  das  Vordringen ­
  der  stammverwandten  Aethiopen  durch  die  Abneigung
der  einheimischen  Bevölkerung  gegen  die  Fremdherrschaft,
wenn  nicht  hervorgerufen,  so  doch  mächtig  gefördert  wurde,
liegt  auf  der  Hand.
Erst  gegen  Ende  seiner  Regierung,  nach  Bewältigung  der
Aufstände  in  Unterägypten  gelang  es  Epiphanes,  die  Aethiopen
in  ihre  alten  Grenzen  zurückzuweisen, 1  Oberägypten  wieder  zu

nous  apprend  qu’il  s’est  pass6  dans  le  pays  au-dessus  de  Diospolis,  par
consequent  tout  präs  de  la  frontiere  de  l’Egypte“.  Die  daran  geknüpften
Vermuthungen  sind  dagegen,  was  bei  dem  geringen  Material,  welches
Letronne  vorlag,  erklärlich  genug  ist,  nicht  richtig.
1  Den  schwankenden  Besitzstand  an  der  äthiopisch-ägyptischen  Grenze
bezeugt  der  Umstand,  dass  an  den  Wänden  von  Tempeln,  welche  von
den  Ptolemäern  zu  hauen  begonnen  wurden,  wir  die  Cartouchen  äthiopischer ­
  Könige  lesen  und  umgekehrt.  Der  Tempel  von  Pselkis,  welcher
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.