Studien zur Geschichte des alten Aegypten. II.
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Entfallen bei der Deutung, welche Wiedemann vorgeschlagen
hat, die Bedenken, die wir gegen die Ausführungen
Revillout’s ins Treffen geführt haben, so erheben sich gegen
dieselbe Schwierigkeiten ganz anderer Art. Die Urkunden aus
den Jahren XXXIII und XXXVI sind nicht die einzigen der
ausgehenden Regierung des Philadelphos, die wir besitzen.
Entgangen ist Wiedemann vor Allem der bereits erwähnte
Leydener Papyrus Nr. 379, dessen Protoeoll also lautet: ,1m
Jahre XXIX, Tybi, des K. Ptolemaios, Sohnes des Ptolemaios,
des Gottes, welcher das Schlechte vertreibt (Soter), seiend
Antimachos, Sohn des Kebes, Priester des Alexander und der
Theadelphen, (und) Demonika, Tochter des Philon, seiend Kanephore
vor Arsinoe Philadelphe.“ Nach der Behauptung Wiedemann’s,
dass mit dem Tode der Arsinoe Euergetes aufhörte, als
Mitregent genannt zu werden, müsste Arsinoe spätestens in den
ersten Monaten des Jahres XXIX des Philadelphos, welches
an dem 26. October 257 v. d. ehr. Aera begann, gestorben sein.
Positive Angaben 1 nöthigen uns dagegen anzunehmen, Arsinoe
sei nicht lange vor Philadelphos gestorben, 2 dessen letztes Jahr
erst am 24. October 248 v. d. ehr. Aera begann.
In eine noch frühere Zeit führt uns eine andere Inschrift,
welche weder von Revillout noch von Wiedemann herangezogen
worden ist, wiewohl sie für diese Frage von grösster Bedeutung
ist. Sie findet sich an der Strasse von Koptos nach Kosseir
in Hammamät. Zuerst wurde sie von Nestor L’Hote 3 abgeklatscht
und in der Revue archeologique mitgetheilt.
De Saulcy, Letronne 4 und Lauth, welche sich eingehend
mit dieser Inschrift beschäftigt haben, haben aus derselben gar
merkwürdige historische Ergebnisse gezogen. Sie haben in
1 Vgl. Droysen’s Anhang I ,Arsinoe Philadelphos 1 in seiner Arbeit ,Zum
Finanzwesen der Ptolemäer“ (Sitzungsberichte der Berliner Akademie,
1882, S. 25).
2 Was Wiedemann selbst zugiebt, a. a. 0. S. 387.
3 Revue archdol. I, Tafel I und II, S. 738—754. Zu halten hat man sich
an die Reproduetion der Inschrift bei Lepsius, Dkm. VI, Tafel 69.
4 Vgl. Oeuvres choisies, I. Serie, Band II, S. 492 f.: ,Lettre ä M. de Saulcy
sur l’epoque d’un proscyneme demotique“. Die Arbeit ist aus dem
Jahre 1845.