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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 105. Band, (Jahrgang 1844)

Ueber  eine  Summa  legum  incerti  auctoris.

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Die  Summa  hat  also  in  diesen  beiden  Stellen  III,  43  und
46  das  Friedericianum  für  Wien  vom  Jahre  1244  zur  Vorlage
und  scldiesst  sich  ihm  mit  wenigen  stylistischen  Abänderungen
enge  an;  sie  benützt  es  als  Vorlage  direct  und  nicht  etwa
durch  Vermittlung  des  W.  N.  Str.  Denn  in  diesem  fehlt  der
Satz  von  der  Proscription  und  dem  Verlust  der  Hand
gänzlich.
Und  doch  führt  eine  weitere  Untersuchung  auf  das  Wiener
Neustädter  und  nicht  auf  das  Wiener  Stadtrecht  als  Quelle
vieler  Stellen  der  Summa  hin.  Die  Uebereinstimmung  mit
dem  Wiener  Stadtrechte  lässt  sich  genügend  durch  die  Verwandtschaft ­
  der  in  beiden  Städten  gleichmässig  geltenden  Rechtsanschauungen ­
  oder  dadurch  erklären,  dass  das  Wiener  Stadtrecht ­
  vom  Jahre  1244  selbst  Haupt,quelle  des  W.  N.  Str.  ist
(Winter,  S.  83),  und  viele  seiner  Sätze  in  das  letztere  übergegangen ­
  sind.  Viele  Sätze  der  Summa  stimmen  jedoch  mit  dem
W.  N.  Str.  selbst  dort  wörtlich  überein,  wo  dieses  sich  mit  dem
Wiener  Stadtrechte  in  einem  Widerspruche  befindet  oder  ganz
eigenthümliche  Sätze  enthält,  die  sich  in  den  Wiener  Stadtrechten ­
  nicht  nachweisen  lassen.  So  stellt  die  Summa  III,
47  die  Reinigung  bei  Verbrechen  dar  secundum  jus  provinciale,
  d.  h.  nach  dem  Rechte  eines  bestimmten  Rechtskreises, 1
der  nur  der  Bezirk  des  Landgerichtes  Wiener  Neustadt  sein
kann.

Summa  III,  47.
Si  accusatus  de  furto,  rapina,  de  homicidio
  aut  de  quovis  alio  maleiicio,
quod  personam  habet  tangere  vel  honorem, ­
  vocatus  ad  judicium  venerit
non  coactus,  et  suam  innocentiam
velit  ostendere  et  secum  plures  expurgatores
  habere  non  poterit,  forte
quia  nesciverint,  quando  vel  ubi  haec
lacta  esse  dicantur,  tum  idem  suo
solius  juramento  se  expurget  et  sit
über  a  judice  et  actore.  Si  autem

W.  N.  Str.,  c.  4.
Si  accusatus  de  homicidio  aut  rapina
aut  furto  aut  alio  maleficio,  quod  personam ­
  habet  tangere  vel  honorem,
vocatusque  ad  iudicium  venerit  non
coactus  et  suam  innocenciam  velit
ostendere  et  plures  expurgatores  habere ­
  non  poterit,  se  sui  solius  iuramento
  expurget  et  sit  über  a  iudice
et  actore.  Si  autem  actor  velit  accusatum
  septem  virorum  proborum  testimonio
  superare,  accusatus  se  expurget

Das  Weichbild  einerStadt  oder  der  städtische  Rechtskreis  wird  zuweilen  provincia
  civitatis  genannt.  Siehe  Gengier,  Deutsche  Rechtsalterthümer  S.  265.
            
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